Der Täter muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen
Der Täter muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen

Eine Muslimin wird heute Morgen in Zürich in aller Öffentlichkeit islamophob massiv beschimpft. Sie lässt sich nicht beirren, tut das einzig Richtige, stellt den Täter zur Rede, fotografiert ihn und erstattet Strafanzeige. Ein Musterfall.

Von Naida S.*

Heute Morgen laufe ich, wie gewohnt, an einer Tramhaltestelle vorbei, um etwas einzukaufen, als ich hinter mir „Scheiss Moslem-Fotze“ höre. Ich bleibe kurz stehen, bin mir nicht sicher, ob ich mich verhört habe, und drehe mich um. „Ja, du hast richtig gehört, du Saupack!“ – entgegnet mir ein ungepflegter Mann in den 30ern auf Schweizerdeutsch. „Wie bitte?“, frage ich zurück und will nicht glauben, dass er mich damit meint, doch es ist weit und breit keine weitere Muslimin zu sehen. „Ja, ihr scheiss Muslime habt hier nichts zu suchen, haut doch ab!“ „Wie viele Muslime kennen Sie schon?“, frage ich zurück. Er mittlerweile erstaunt, dass ich mich umgedreht habe und zurückfrage. „Mir ist das scheissegal, ihr seid alle gleich, ihr Landesverräter!“ Leicht geschockt stehe ich da, gedemütigt und denke darüber nach, wie ich mit dieser Verbalattacke unter der Gürtellinie umgehen soll.

Das Tram fährt ein, er steigt ein, ich steige auch mit ein, obwohl ich nicht mitfahren muss, zücke mein Handy hervor und will ihn fotografieren, um der Polizei bei der Suche nach ihm die Arbeit zu erleichtern. Er dreht sich um, lässt sich nicht fotografieren und schimpft weiter vor sich hin. Ich fotografiere ihn von der Seite und von hinten.

Eine halbe Stunde später nimmt man auf der Polizeistation meine Anzeige detailliert auf. Erstaunt stellt die Polizistin fest, dass ich sehr gut Deutsch spreche und fragt mich, ob ich hier aufgewachsen sei. „Spielt das eine Rolle?“, frage ich zurück und kann mit dieser Frage nichts anfangen. „Nein, nein, es interessiert mich nur.“ Die Polizistin ist ansonsten professionell und behandelt mein Anliegen ernst und ausführlich. Für die gemachten Fotos ist sie dankbar, man werde ihn wohl damit ausfindig machen können und ihn zu einem Verhör einladen. Danach könne ich entscheiden, wie es weitergehen soll, ob ich eine Anzeige gegen ihn erstatte oder nicht. Es könne ja sein, dass es ausreiche, wenn man ihm sage, dass so eine Aussage nicht korrekt sei. Eine Anzeige brächte eine lange Prozedur mit sich, ich müsste vor Gericht etc. Ich antworte, dass mir das bewusst sei, doch möchte ich damit ein Zeichen setzen, denn es ist nicht das erste Mal, dass ich Islamophobie in diesem Ausmass erlebt habe und ich bin mir sicher, dass es da draussen weitere Musliminnen gibt, die solchen verbalen islamophoben Aussagen ausgesetzt sind. Meiner Meinung nach könne es nicht angehen, dass jemand einen anderen Menschen dermassen beschimpft, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen.

„Ja, das verstehe ich schon, so etwas ist wirklich unter der Gürtellinie.“ Das denke ich auch.

*Die Identität der Betroffenen ist der Redaktion bekannt. Sie möchte nicht öffentlich in Erscheinung treten. Wir werden über den Ausgang des Verfahrens zu gegebenem Zeitpunkt wieder informieren.

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