«Harte Zeiten» für Muslime in Europa
«Harte Zeiten» für Muslime in Europa

Laut dem Rassismus-Bericht der EU stehen den Muslimen in Europa «harte Zeiten» bevor. Zusätzlich verstärkt die Finanzkrise den Rückgang von Massnahmen gegen Diskriminierung.

(ni) Das Europäische Netzwerk gegen Rassismus (ENAR) präsentierte letzte Woche in Brüssel seinen jüngsten Bericht mit Fokus auf Diskriminierung von Muslimen und Islamophobie. Das Fazit ist, dass die Islamophobie zunimmt und den Muslimen in Europa «harte Zeiten» bevorstünden. Dies stehe auch im Zusammenhang damit, dass wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise die meisten EU-Staaten ihre Massnahmen und Projekte gegen Diskriminierung reduzierten.

Der ENAR-Bericht, welcher sich auf den Zeitraum von März 2011 bis März 2012 bezieht, zeigt, dass die öffentliche Wahrnehmung von ethnischen und religiösen Minderheiten in den meisten EU-Ländern eine negative war.

Musliminnen häufig Opfer islamophober Akte

In Bezug auf Islamophobie heisst es, dass die Tendenz zunehme, die Ablehnung gegen den Islam öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Diese Ablehnung manifestiert sich in verschiedenen Formen von Gewalt, die sich gegen Muslime richtet. Die Opfer sind mehrheitlich weiblich. So sind z.B. in Frankreich 85% aller islamophoben Akte gegen Musliminnen gerichtet.

Zudem sei die Bereitschaft sehr hoch, dem in der Gesellschaft vorherrschenden Islambild Glauben zu schenken. Jenes werde über meist stereotype Medienberichte transportiert. So glaube eine Mehrheit der deutschen Lehrer, dass die Musliminnen in ihrer Klasse gezwungen würden, den Hijab zu tragen.

Österreich wird in dem Bericht dafür kritisiert, dass die Beschränkungen in den Bauvorschriften bezüglich der Höhe von Moscheen, in der Praxis den Bau von Minaretten verhindern. Auf das Schweizer Minarett-Verbot wird nicht eingegangen, da die Schweiz nicht zur Staatengemeinschaft der EU zählt.

Übergriffe auf Moscheen

In mehreren europäischen Staaten ist es ausserdem zu Übergriffen auf Moscheen gekommen. Besonders zahlreich waren diese in Griechenland. Dort kam es im untersuchten Zeitraum zu mehreren Verwüstungen an und in den Moscheen im Stadtzentrum von Athen.

In Bulgarien sind Muslime Opfer von Angriffen durch Aktivisten der nationalistischen Partei «Ataka» geworden, wobei Steine und Eier auf die Moschee in Sofia geworfen und mehrere Menschen verletzt wurden.

In Italien ist in verschiedenen Bezirken ein Niqab-Verbot eingeführt worden. Wer sich diesem widersetzt, muss eine Geldstrafe bezahlen. In Polen und Spanien dürfen muslimische Frauen den Hijab nicht tragen, wenn sie sich für einen öffentlichen Job bewerben.

Projekte zum Abbau von Islamophobie

Der ENAR-Bericht hält fest, dass mehr Massnahmen gegen Rassismus veranlasst werden müssten. Zudem müssten auch Projekte, die speziell die Islamophobie bekämpfen, gefördert werden. Positiv werden Projekte bewertet, welche die Vorurteile abbauen und den Dialog fördern.

Quelle: Die Presse, Rassismus Bericht, harte Zeiten für Muslime in Europa, 20.03.2013.
Bericht als PDF hier.

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