Der Islamische Zentralrat sieht die Vorwürfe gegen den muslimischen Intellektuellen mit zunehmender Skepsis. Insbesondere kritisiert er die unverhältnismässige Inhaftierung, sowie die mediale Vorverurteilung. Der Rat fordert alle Muslime auf, Ramadan und seine Familie zu unterstützen.

Kommuniqué 23022018 – 0157

Die Verhaftung des islamischen Intellektuellen Tariq Ramadans in Paris löste am vergangenen 31. Januar in islamischen Gemeinschaften weltweit Schockreaktionen aus. Die gegen ihn erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe zweier Frauen waren schon Monate alt, als die französische Justiz den stets kooperativen Ramadan Ende Januar zunächst in Polizei- dann in Untersuchungshaft nahm. Nachdem gestern erneut ein Antrag auf Freilassung abgelehnt wurde, erachtet es der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) als nötig, in der Causa wie folgt Stellung zu beziehen.

  • Der Rat nimmt mit Erstaunen zur Kenntnis, dass die beiden angeschuldigten Vergewaltigungen auf die Jahre 2012 bzw. 2009 zurückgehen sollen. Es versteht sich von selbst, dass Vorwürfe, die erst fünf bzw. acht Jahre nach der vermeintlich erfolgten Tatzeit zur Anzeige gebracht werden, äusserst schwer zu beweisen sein dürften.
  • Die Geschichte, wie sie in den Medien durch Henda Ayari verbreitet wurde, wirft inhaltliche Fragen auf: Ayari gibt an, zur Tatzeit der Strömung der «Salafiyya» angehört zu haben. Ramadan hingegen hat eine familiär bedingte zwar ideologisch lose Affinität zur Muslimbruderschaft und gilt überdies als Vertreter eines «Euroislams». Nicht nur ideell dürfte die beiden nicht sehr viel verbunden haben. Auch ist es schwer vorstellbar, dass eine praktizierende Muslimin, zumal eine «Salafiyya» sich mit einem fremden Mann in ein Hotelzimmer begibt, was aus islamischer Sicht eine verbotene Abgeschlossenheit (khalwa) konstituieren würde.
  • Ramadan als berühmter, gut situierter Professor und hatte es kaum nötig, sich an einer Frau zu vergehen. Einerseits ist er glücklich verheiratet und andererseits dürfte er sich der Gefahr für Ruf und Ansehen bewusst sein, sollte er sich moralisch gar nicht zu reden von rechtlich auf Abwege begeben.

 

Sodann hat Ramadan alle Anschuldigungen gegen ihn konsistent in Abrede gestellt. Auch seine Ehefrau zeigte sich kürzlich in einer Videoansprache empört, ob diesen Anschuldigungen und dem brachialen Vorgehen der Pariser Justiz. Sie stellt sich hinter ihren Mann. Der Islamische Zentralrat steht mit einem Bruder Ramadans in direktem Kontakt.

Der Rat vertritt basierend auf folgenden Kritikpunkten

  • Die Art und Weise, wie sich die Causa entfaltet, lässt den Verdacht aufkommen, dass eine orchestrierte Kampagne im Hintergrund läuft, mit dem Ziel die akademische Persönlichkeit Tariq Ramadan zu vernichten und zugleich dem Image des Islams Schaden zuzufügen.
  • Es ist im aktuellen Fall nicht nachvollziehbar, weshalb der kooperative Ramadan seit bald einem Monat inhaftiert wird. Die angeschuldigten Taten liegen Jahre zurück. Ramadan ist zudem eine Person des öffentlichen Lebens und wird sich kaum der Justiz entziehen wollen.
  • Die Verfahrensweise der Justiz ist durch Mängel geprägt. So wurde ein mögliches Alibi Ramadans nicht bzw. zu spät in den Aktenkorpus aufgenommen. Ausserdem wird Ramadan weiterhin der Kontakt zu seiner Familie verwehrt.

 

die Haltung, dass

  • die Inhaftierung Tariq Ramadans unverhältnismässig sei und keinen verfahrenstechnischen Nutzen mit sich bringe,
  • die Verwehrung des Kontakts zu seiner Familie allerseits eine unnötige psychische Belastung geniere und dass
  • die Art und Weise wie über den Fall in den Medien berichtet wird, einer eigentlichen Vorverurteilung gleichkommt.

 

Der Islamische Zentralrat fordert Muslime unabhängig ihrer methodischen Ausrichtung auf, Tariq Ramadan ideell wie materiell zu unterstützen. Insbesondere soll

  • die Kampagne #freeTariqRamadan in den sozialen Medien gepuscht werden
  • finanzielle Zuwendung ans juristische Verteidigungskomitee getätigt werden
  • im Umfeld durch direkte Aussprache awareness produziert werden

 

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Veröffentlicht am: 23. Februar 2018
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