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Einleitung
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Liebe Abonnentinnen und Abonnenten des IZRS Newsletters, Assalaamu 'Aleikum wa rahmatullahi wa barakaatuhu
Zum Burka-Verbot in Belgien
Ich bin schokiert über die Erlassung dieses, das Grundrecht verletzende, Gesetz und möchte den Schwestern in Belgien meine volle Unterstützung zusichern. Im Jahre 2010 stimmt ein Parlament fast geschlossen, nur zwei Enthaltungen, für ein Gesetz, welches die Rechte der Frauen schützen soll. In der Realität bedeutet dies jedoch für viele Muslimas ein lebenslanger Hausarest. Der Liberale Denis Ducarme meint, für die ganze Menschheit definieren zu können, was Freiheit in der Moderne sei. Jedoch befindet er sich mit dieser Annahme eher im Mittelalter und unterdrückt einmal mehr die Meinungsfreiheit seiner weiblichen Mitbürgerinnen. Er ruft sogar noch andere Länder, darunter auch die Schweiz, dazu auf, es Belgien gleich zu tun.
Auch hierzulanden haben sich schon Politiker zu diesem Thema geäussert und begrüssten ein solches Gesetz teilweise sogar. Ein Burka-Verbot würde allerdings die grundlegenden Rechte verletzen, welche uns in der Bundesverfassung zugesprochen werden, die Religions- und Kultusfreiheit würde massiv eingeschränkt. Keine Frau sollte gezwungen werden, das Gesicht zu verschleiern. Gleichzeitig soll aber jede Muslima die Freiheit dazu haben. Leider haben die Muslime in Belgien lange keine Stellung bezogen und die Folgen eines solchen Verbotes glaubhaft ausformuliert. Nun müssen alle noch möglichen Schritte unternommen werden, um gegen dieses Gesetz anzukämpfen, bevor es in Kraft tritt.
Sollte es in der Schweiz zu so einem Vorstoss kommen, müssen wir Muslime uns frühzeitig zu Wort melden und unseren Kultus verteidigen. Dafür werde ich mich persönlich einsetzen, denn ich möchte nicht in meinen eigenen vier Wänden eingesperrt werden.
Nora Illi Leiterin Departement für Frauenangelegenheiten IZRS |
| www.islamrat.ch | |
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Diverses
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Eine Konversion mit Folgen
Von Ferah U.
Juni 2009, ich war auf dem Weg in die Moschee. Man erwartete mich bereits, ich jedoch wusste nicht wie sich diese Entscheidung auf mein Leben auswirken wird. Ich wurde herzlich von einer Schwester empfangen. Der Entschluss stand fest, ich konvertierte. Doch der nächste Gedanke, den ich hatte, war: „Nein, wenn das meine Eltern herausfinden, bin ich weg vom Fenster.“ Ich sollte wohl gar nicht so Unrecht haben. Anfänglich konnte ich mich mit dem Gedanken einen Hijab zu tragen, für mich damals ein Symbol der Unterdrückung, nicht anfreunden. Nach einigen Gesprächen mit Schwestern probierte ich es einmal heimlich aus. Als ich am Genfersee sass und über das Leben philosophierte, beschloss ich ihn anzuziehen. Bumm, mit einem Schlag war mein bisheriges Weltbild auf dem Kopf gestellt. Was ist das für ein Gefühl? Ich habe mich noch nie so frei gefühlt, all dieser Schönheitswahn und «ich muss gut aussehen» waren weggewischt. Die Überwindung, es meinen Eltern zu sagen, war gross. In einem kurdisch alewitischen Hause ist der Islam eine Schande und so wurde ich zur Schande für die gesamte Familie. Mein Telefon hörte kaum auf zu läuten, auch der über drei Ecken verwandte Cousin, hatte das Gefühl, mir sagen zu müssen, was für eine «schlechte Kurdin» ich doch sei und wie sehr ich «die Ehre beschmutzt» habe. Grotesk war auch die Forderung in die Disko, anstatt in die Moschee zu gehen. Nachdem man bemerkt hatte, dass sämtliche Forderungen nicht von Erfolg gekrönt waren, fing man an zu drohen. «Wenn ich dich mit Kopftuch auf der Strasse sehe, töte ich dich» so etwa ein Onkel von mir, oder «ich hänge dich mit deinem Kopftuch auf, wenn ich dich damit sehe» so mein Vater. Das nennt sich dann auch noch «Humanismus» und «weltoffen». Auch Cousins, die extra von Genf anreisten, um mich zu würgen, hielten mich nicht davon ab. Und der Versuch mich mit ihm zu verheiraten, schlug ebenfalls fehl. Die Liebe gegenüber Allah war und ist stärker. Die logische Konsequenz dieser Unterdrückung, die neun Monate andauerte, war das Verschwinden vom Elternhaus. Der Hilferuf in Form meines Verschwindens wurde von Seiten der Eltern falsch verstanden, neben dem Versuch, mich am Telefon psychisch zu belasten (Wein- und Schreianfälle meiner Mutter, ich sei «Schuld am Tod» falls sie sterbe), wurde weiterhin gedroht. Ich jedoch, fühlte mich endlich befreit. Diese Freiheit geniesse ich in vollen Zügen. So fällt es mir auch schwer, wenn man seitens des Staates versucht, Frauen diese Freiheit wegzunehmen und man Aufrufe von eben diesen scheinbar unterdrückten Frauen ignoriert und stur behauptet, dass niemand dies freiwillig tun würde. Schliesslich wird heutzutage eine Konversion zum Islam schon als «Hirnwäsche» bezeichnet.
Angst ist die falsche Antwort
Von Gibril Muhammad Zwicker
Wovor hast du Angst? Wenn du die Rufe hörst und ihre Drohungen, die sie gegen dich ausstossen. Wenn du in den Zeitungen liest, dass diejenigen, welche sich für die Sache Allahs einsetzen mitsamt ihrer Überzeugung zu verurteilen und zu unterbinden sind. Wenn du ihre von Unwissenheit durchwobenen Phrasen und ihre hetzerischen Parolen in den Medien hörst. Hast du Angst vor Verlusten in deinem Leben? Hast du Angst davor, dass sich dein Ansehen bei ihnen oder dein Vermögen schmälern könnte? Das brauchst du nicht. Diese Ängste sind unberechtigt und grundlos. Denn Allah, erhaben ist Er, hat dein Schicksal schon vor langer Zeit geschrieben. Ob du nun wohlhabend bist oder arm, ob reich an Kindern oder nicht verheiratet. Das alles stand schon vor seinem Eintreffen fest. Das Schicksal, welches Allah für dich vorgesehen hat, ist unveränderbar. Glaubst du etwa, du könntest dein Schicksal selbst bestimmen? Wenn Allah deine Versorgung auf das Minimum festgesetzt hat, so kannst du dich noch so sehr anstrengen und Tag und Nacht arbeiten; trotzdem wird dein Reichtum diese bestimmte Grenze nicht überschreiten. Nichts auf dieser Welt geschieht, ohne dass Allah es will. Und auch der Tag deiner Abberufung aus dieser Welt steht schon längst fest und wenn dieser Tag gekommen ist, helfen dir keine Medikamente und keine Operationen mehr. Weshalb also liebst du diese Dunyja so sehr? Weshalb hast du Angst vor dem Tod? Und weshalb fürchtest du die Feinde Allahs? Allah (s.w.t.) sagt im Quran sinngemäss: so fürchtet nicht sie, sondern fürchtet Mich! Und damit Ich Meine Gunst an euch vollende, auf dass ihr rechtgeleitet werden möget. (2/150) Oder an anderer Stelle: Und wer Allah fürchtet, dem schafft Er einen Ausweg und gewährt ihm Versorgung von wo er es am wenigsten erwartet. (65/2-3) Wo also ist dein Tawakkul (Gottvertrauen)? Denke niemals, du machst etwas für Allah und es wäre schlecht für dich! Und denke niemals, die Anstrengung für die Dunyja überwiege die Anstrengung für das, was danach kommt! Also begib dich zurück auf den Weg von Allah und kämpfe für Ihn und fürchte Ihn allein! Dieser Weg ist bestimmt nicht einfach, doch es ist der einzig richtige. Und Allah ist erhaben über alle Dinge. Möge Allah uns Kraft geben und uns unsere Sünden vergeben. Amin. |
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Newsletter 4/2010 |
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Blancho bashing – Muslim bashing?
Von Abdel Azziz Qaasim Illi
Die überhitze, künstlich perpetuierte Mediendebatte um die Person Blancho nimmt immer einfältigere Züge an. Printredaktoren geben ihren Kollegen in den Onlineredaktionen die Klinke in die Hand. Immer wieder erscheinen inhaltlich gleich geartete Artikel – Blancho fordere Islamschulen, Blancho distanziere sich nicht von der Steinigung, Blancho distanziere sich nicht von Gewalt gegen Frauen, fordere Parallelgesellschaften und sende Jugendliche in sagenhafte Terrorcamps nach Ägypten. Ja, Blancho sei eine Gefahr für die Schweiz, ihre Rechts- und Gesellschaftsordnung.
Zu allem Überfluss trat vorgestern auch noch eine FDP-Delegation, bestehend aus den Nationalräten Philipp Müller (AG) und Christian Lüscher (GE) sowie der Regierungsrätin Sabine Pegoraro (BL), im Medienzentrum Bundeshaus West an die Öffentlichkeit und forderte eine Verschärfung der Staatsschutzgesetze. Moscheen sollten überwacht und religiöse Texte in eine Landessprache übersetzt werden. Herr Müller begründete dies gegenüber SF1 Tagesschau mit nicht näher beschriebenen, inakzeptablen Äusserungen Nicolas Blanchos während Frau Pegoraro meinte, ein Fatwa-Rat dürfe es in der Schweiz unter keinen Umständen geben.
Faktizität und Mythos klaffen immer weiter auseinander. Gerade das Beispiel Pegoraro zeigt, wie oberflächlich die Islam-Debatte in der Schweiz geführt wird. Begriffe wie Fatwa-Rat oder Shari’a lösen scheinbar unwillkürlich heftige Abwehrreaktionen aus. Muslimen, die in islamisch-traditionellen Kleidern in einer Diskussionssendung auftreten, wirft man Provokation vor. Frauen, die einen Gesichtsschleier und zunehmend auch all jene, die den Hijab tragen, gelten abwechslungsweise als Produkte einer gescheiterten Integration oder als aufklärungsresistent.
Medien und classe politique haben offenbar aus dem Abstimmungsdebakel vom 29. November nichts gelernt. Anstatt sich der Realität zu stellen und die Gründung des Islamischen Zentralrats als logische Konsequenz der ausufernden Islamophobe rund um die Minarettabstimmung anzuerkennen, verballhornt man lieber die gesamte Energie in einer sinnlosen Schlammschlacht um die Person Blancho. Doch was versprechen sich die Scharfschützen von ihrer Taktik? Zu verlieren hat der IZRS Präsident nichts. Er gilt allen Mitgliedern und auch darüber hinaus als integere, kompetente Führungspersönlichkeit, die sich auf eine sehr krisenresistente Basis abstützen kann, aus der er letztlich selber stammt. Wie die Zuschriften der letzten Wochen zeigen, führen ungerechtfertigte Angriffe zu noch mehr Rückhalt innerhalb der muslimischen Gemeinde. Die Minarett-Debatte sitzt allen noch zu tief in den Knochen, als dass man sich nun von den tatsächlichen Zielen islamophober Angreifer ablenken liesse. Geschossen wird heute auf alles, was sich über die Kategorie der islamischen Religion selbst zu definieren wagt, seien es Personen, Organisationen oder sachpolitische Anliegen. Wenn mal nicht gerade Blancho den Kopf hinhalten muss, dann sind es die Minarette, Kopftücher, der Gesichtsschleier oder sonst eine Manifestation der islamischen Religion. Ein kurzer Blick zurück in die Debatte von 2009 macht klar, dass es hier nicht um den IZRS oder Blancho geht, sondern dass es um den erkennbaren Islam und die Muslime an sich geht: gestern die Minarette, heute der IZRS und morgen die Kopftücher. |
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Wieder einmal „zuwenig differenziert“, Herr Darbellay!
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„Religiöser Fundamentalismus anerkennt die freiheitlich-demokratische Rechtsordnung nicht“, schreibt der CVP-Vorstand im Positionspapier „Religionsfreiheit und Integration“ vom 28. April 2006. Dann hat sich Christophe Darbellay, Parteipräsident der CVP Schweiz wohl innerhalb von wenigen Monaten ein weiteres Mal „zuwenig differenziert ausführen können“ (Zitat Darbellay vom 4. Dezember 2009), wenn er gegenüber der Zeitung „Sonntag“ sagt, man würde IZRS-Präsident Nicolas Blancho gar ausweisen, wäre er kein Schweizer. „Meine Äusserungen waren persönlicher Art“, sagte der CVP-Präsident im Dezember als er sich gegen „Sonderwünsche verschiedener religiöser Gemeinschaften in der Friedhofsfrage“ aussprach und wegen der Empörung bei der jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz schnell zurückkrebste. Nun, Herr Darbellay, der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) bekennt sich ausdrücklich zur schweizerischen Rechtsordnung. In den Statuten wie auch auf der Webseite des IZRS wird dies explizit festgehalten und IZRS-Präsident Nicolas Blancho hat dies auch in jedem Interview, sei es in einer Zeitung, im Radio oder im Fernsehen, stets betont. Und auf die immer wieder zurückkehrende absurde „Steinigungs-Diskussion“ sagte Blancho deutlich: „Auch wenn man es uns zugestehen würde: Steinigung hat hier keinen Platz!“. Und bis jetzt hat der IZRS weder verbal, noch non-verbal irgendetwas anderes kommuniziert. Ja besser noch; niemand in der Schweiz ist vom IZRS kritisiert oder angegriffen worden. Niemand! Daher kann auch von einem „Hassprediger“ Blancho keine Rede sein. Wo hat er Hass gepredigt? Woher diese panische Angst vor einem Mann, der nichts anderes sagt, als Darbellays Pfarrer in der Kirche: „Gloria in excelsis Deo, et in terra pax hominibus bonae voluntatis“ - Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade… oder wie heisst es in der evangelischen Kirche? „Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade,…“ Wir Muslime sagen, „Lob sei Gott, dem Herrn der Welten“(Al hamdul li-llahi rabbi l-'ālamīn). Macht Darbellay Blanchos Bart Angst? Keine Sorge, Nicolas Blancho wird nicht am 25. Internationalen Alpenbarttreffen vom August teilnehmen. Und da sind wir wieder beim Thema: Alpenbart und Schweizer, oder muslimisch gestutzter Bart und Schweizer. Da war Darbellay in der Tat wieder mal „zuwenig differenziert“, denn wenn Äusserlichkeiten für Verwirrung sorgen, sollte er das CVP-Papier in die Hand nehmen, bevor er voreilig zu etwas Stellung nimmt.
Lesen Sie den ganzen Essay von Oscar A.M. Bergmin auf IZRS.ch.
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