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Einleitung
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Liebe Abonnentinnen und Abonnenten des IZRS Newsletters, Assalaamu 'Aleikum wa rahmatullahi wa barakaatuhu

Während der Juli sich bereits unter Knallen und Krachen verabschiedet, geht der islamische Monat Sha'ban in sein letztes Drittel. Der heilige Ramadan naht. Gemäss astronomischer Vorberechnung fällt der erste Fastentag dieses Jahr auf den 12. August. Diese Annahme basiert auf der Berechnung der Mondbahn und der daraus abgeleiteten frühestmöglichen geostationären Sichtung des Hilals (Neumondsichel). Am 10. August gilt eine solche Sichtung auf allen Erdteilen auch unter Zuhilfenahme starker Teleskope u.a. Hilfsmittel als unmöglich. Anders sieht es am 11. August aus. Sollte das Wetter mitspielen, müsste der Hilal im gesamten Nahen- und Mittleren Osten von blossem Auge sichtbar sein. Aufgrund dieser klaren Konstellation, lässt sich der Ramadanbeginn dieses Jahr relativ sicher prognostizieren. Freilich gibt es immer Staaten, die sich um Gesetze - seien es religiöse oder weltliche - nicht sonderlich scheren. Jene haben den Beginn des Ramadans bereits für das ganze laufende Millennium rechnerisch festgelegt, ohne die Hilal-Sichtung (Im Hadith: Fastet, sobald ihr ihn sichtet und brecht das Fasten, sobald ihr ihn sichtet.) abzuwarten.
Den definitiven Ramadanbeginn werden wir am Abend (10.-11.-12.August) um die Zeit des Maghreb Gebets auf unserer Webseite klar und deutlich in Verbindung mit einem Sondernewsletter ankündigen. Für alle Fragen zum Ramadan haben wir eine exklusive Ramdan-Hotline ( 033/533'38'30) ab dem 10. August eingereichtet. Sie bedient die Sprachen DE/FR/ARAB/ENG. Ausserdem liegen in allen grösseren Moscheen von ZH / BE / GE ab nächsten Freitag Ramadankalender mit den entsprechenden Gebetszeiten auf. Sollten Sie für Ihre Moschee noch keine Kalender erhalten haben, senden Sie uns eine kurze Notiz an: info@izrs.ch
Wir wünschen Ihnen allen gute Ramadan-Vorbereitungen und verbleiben in brüderlicher Verbundenheit,
Ihr IZRS Team |
| www.islamrat.ch | |
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Wie viel Islam wollen Sie?
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Von Gibril M. Zwicker
Wer diese Woche seinen Briefkasten leerte, fand nebst mehr oder weniger wichtigen Schreiben und Tageszeitungen auch potentielles Anzündmaterial für seinen Kaminofen, welches die «Partei des Mittelstandes» unter dem verheissungsvollen Titel «Volksbefragung» der ganzen Schweizer Wohnbevölkerung Freihaus lieferte. Zum Auftakt des Abstimmungs- und Wahlkampfes im kommenden Herbst bzw. Frühling hat die SVP einen weiteren Winkelzug gefunden, gegen ihren momentanen Lieblingsgegner, den Islam und die Muslime, ganz legal zu hetzen. Dabei muss man die rechtsbürgerliche Spielart der Islamophobie stets vor dem Hintergrund ihrer Ausländerpolitik betrachten. Seit Jahrzehnten versuchen sie der Öffentlichkeit die Existenz eines ihrer Ansicht nach bedrohlichen Überfremdungsphänomens einzureden. Bis 2009 schien der Durchbruch auf sich warten zu lassen. Der Ausländer als Gefahr – zu abstrakt –schien keine Mehrheiten zu mobilisieren. Erst die europaweite Tendenz, den Islam wie schon so oft in der abendländischen Geschichte, als akute Gefahr einzuschätzen, brachte den lange ersehnten Umschwung. Geschickt verknüpften die völkischen Strategen ihre alte Ausländerpolitik mit der modischeren Islamfeindlichkeit. Anstatt wie einst Ausländer pauschal zu beschuldigen, sie würden die Schweizer Rechtsordnung nicht respektieren, wird seit der Minarett-Debatte eher der Islam als Urheber etwaiger Übertretungen in den Fokus gerückt. Flink hat man eine Basis geschaffen, diskreditierende und unqualifizierte Aussagen tätigen zu können, ohne gleich als demagogischer Schreihals zu gelten, da ja die gesamte Thematik nunmehr einen ganz anderen, scheinbar legitimen Hintergrund erhalten hat. Damit diese diffamierende Strategie aufgeht, müssen jedoch erst mal alle volksverhetzenden Schlagworte wie Islamisierung, Zwangsehe und Co. aus der Grabbelkiste geholt und pointiert in Szene gesetzt werden. Dies beginnt der Verleger am besten damit, die Zuwanderung muslimischer Ausländer mit einer vermeintlichen «Islamisierung der Schweiz» gleichzusetzen. Unter einem schlagkräftigen Titel, der sich direkt an den ohnehin schon verunsicherten Leser wendet: «Wie viel Islam wollen Sie?», entfaltet das gedruckte Wort, eingebettet in andere klangvolle Überschriften, wie: «Wie viel Ausländerkriminalität wollen Sie?» oder: «Wollen wir die Zukunftschancen unserer Kinder gefährden?», seine geballte Wirkung und prägt sich verheerend und beklagenswert in das Unterbewusstsein des Lesers ein. Die richtige Würze erhält so ein «Tatsachenbericht» aber erst durch das Hinzufügen der «gefährlichen Folgen», welche der Islam für die Schweiz haben könnte, wie zum Beispiel den Verzicht auf das Singen von Weihnachtsliedern im Kindergarten oder gar die Teilzulassung der Shari‘a im Familienrecht, was nach hinlänglich bekanntem Aberglauben der Autoren Zwangsehen, Ehrenmord und pharaonische Beschneidung der Mädchen mit sich brächte. Und dann kommt der alles läuternde Schlusssatz – die eigene Position, rein unschuldig und so weiss wie Schnee: «Die SVP sorgt sich um die Wahrung des religiösen Friedens in unserem Land.» Doch stellt sich mir hier zwangsläufig die gleiche Frage, die sich auch Hassprediger Franz Sabo gefallen lassen muss: Wieso sprechen immer jene Kreise von der Wahrung des religiösen Friedens, die ihn mit ihrer Politik am tatkräftigsten gefährden? Dies entzieht sich meiner Logik. |
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Newsletter 7/2010 |
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Die Normativität setzt den Massstab
Von Abdel Azziz Qaasim Illi
Letzten Mittwoch (28.7.2010) strahlte der Sender 3Sat den SF1 Dok-Film «Muslim-Report» von Karin Bauer aus und machte damit den tendenziösen, von Schweizer Muslimen heftig kritisierten Streifen einem erweiterten deutschsprachigen Publikum zugänglich.
Ein Focus-Redakteur schrieb am Donnerstagmorgen einen interessanten Kurzkommentar über die Schweizer Produktion Bauers. Er gibt Einblick in die diskursiven Strukturen der deutschen «Islam-Debatte» und markiert bewusst oder unbewusst die Differenzen zum Schweizer Kontext. Inhaltlich trägt der Text wohl eine Hauptbotschaft: Die Schweizer sollten aufhören den Muslim in altorientalistischer Manier durch die Brille der islamischen Normativität zu bewerten, sondern vielmehr die Brille der «kulturellen Realität» aufsetzen. Damit würde wie in Deutschland ein Islam-Bild resultieren, welches dem westlichen Lebensstil viel angepasster erscheint und das Festhalten an religiösen Normen endgültig in den Bereich des irren Fundamentalismus verdammen. «Alkohol-Konsum unter Muslimen» müsste dann Frau Bauer genausowenig erstaunen, wie Türkinnen, die «nächtelang ohne Kopftuch in der Disco tanzen».
Die moderne Orientalistik, seit Edward Said’s vernichtender Kritik eher unter dem euphemischen Synonym «Islamwissenschaft» bekannt, gehört zu den aktivsten Befürwortern einer solchen kulturell determinierten Wahrnehmung des Islamischen. Während die Altvorderen dieser Zunft den Muslim fast durchgehend noch als Idealtypus und immer in Abhängigkeit seiner Religionsgesetze beschrieben, findet seit den 1970er Jahren ein starker Wandel statt. Heute betonen die meisten Islamwissenschaftler die Vielschichtigkeit ihres Forschungsgegenstands und wehren sich gegen die sicherlich vereinfachende Wahrnehmung des Islams als monolithisches, in sich absolut zusammenhängendes Ganzes. Zuweilen führt diese Weitwinkelperspektive zu unintendierter, innerhalb der seriösen Wissenschaft aber eher selten zu ideologisch bedingter, Ignoranz gegenüber muslimischer Glaubenspraxis, die sich letztlich immer in irgend einer Art und Weise auf die weiterhin einzige allen Muslimen gemeinsame Basis von Qur’an und Sunna stützt.
Der innerwissenschaftliche Diskurs bleibt jedoch selten im Elfenbeinturm gefangen. Seit 2004 europaweite Kopftuchdebatten für Unruhe sorgen, interessieren sich auf einmal auch Politiker für alles Islamische, das sich öffentlich manifestiert. Ihnen passt das neoorientalistische Paradigma eines kulturell determinierten, äusserst diversen Islams sehr gut in die Agenda. Ist es einmal gelungen, islamische Kultushandlungen als nicht ursprünglich religiös-normativ, sondern lediglich kulturell-traditional bedingt zu konstruieren und die Gesellschaft auch noch davon zu überzeugen, so kann man sich aus der selbstauferlegten, beschränkenden Wirkung der Religions- und Kultusfreiheit lösen und die Forderung z.B eines Hijab-Verbots unter dem nunmehr als gültig anerkannten Vorwand kultureller Anpassung erheben. Oder anders ausgedrückt, könnte in der öffentlichen Meinungsfindung in Zukunft bei der Beurteilung eines neuen Gesetzes hinsichtlich seiner Verträglichkeit mit Religions- und Kultusfreiheit der Blick in die Normativität ganz ausgespart und stattdessen die Lebenspraxis der Muslime als Massstab verwendet werden.
Wo dies hinführen könnte, sehen wir nun schon bei der Niqab-Debatte. Kein Mensch bemüht sich darum, die Faktenlage der islamischen Normativität, insb. der klassischen Lehrmeinungen islamischer Rechtsschulen zu erwägen, obwohl sie in den Institutsbibliotheken der Islamwissenschaft kaum je vergriffen, jederzeit einsatzbereit mit einem feinen Staubfilm überzogen herumlägen. Jacqueline Fehr, möglicherweise bald neue Bundesrätin, verstieg sich in Gegenwart von Nora Illi an einem Podium in Zürich unlängst in die Behauptung, dass ihre Form der religiösen Praxis (Tragen eines Gesichtsschleiers) «sektenhaft und keinesfalls repräsentativ» sei. Repräsentativ in Bezug auf was? Die aktuelle Lebenspraxis der Mehrheit!
Diese neue Diskursform, das kulturell Dominierende zur Norm zu erheben, schafft gute Voraussetzungen, dass der Islam zukünftig verstärkt durch die nicht-muslimische und vor allem nicht-kompetente Politik definiert wird. Die Normativität wird dabei in den Bereich des Irrelevanten abgedrängt, was die Popularität des Gegenstandes fördert und den Zugang zur Debatte auch jenen öffnet, die in ihrer Lebzeit noch nie einen Qur’an in den Händen hielten.
Alle Muslime, nicht nur praktizierende, sollten dieser Tendenz durch verstärktes Beharren auf dem einzig legitimen Massstab, nämlich der islamischen Normativität, entgegentreten. Kein Muslim sollte sich eine politisch verfügte Fremddefinition des Islamischen gefallen lassen. Schliesslich masst sich hierzulande der notorische Falschparker auch nicht an, das Strassenverkehrsgesetz für hinfällig zu erklären, nur weil viele sich nicht konsequent an die vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeiten halten. |
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Die gefährlichen Kreuzritter-Ambitionen eines Dorfpfarrers
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Der katholische Dorfpfarrer von Kleinlützel will «Kreuzritter» werden. «Pfarrer Franz Sabo hetzt gegen Muslime», titelte die Zeitung «Sonntag» am 25. Juli. In seinem Buch «Der Tod stirbt nicht», das jetzt erscheint, hetzt Pfarrer Franz Sabo nicht nur gegen Muslime, er fordert die Schweiz indirekt auf, Muslime auszugrenzen, weil es für ihn zu einer «konsequenten und ehrlichen ökologischen Politik» gehöre, die Migration – sprich die der Muslime – einzudämmen. Sabo pfeift damit auf das Zweite Vatikanische Konzil und trampelt auf den Gräbern dreier Päpste herum, die sich ernsthaft um die Aussöhnung mit dem Islam bemüht haben. Damit dürften seine Tage als katholischer Pfarrer wohl endgültig gezählt sein.
Von Oscar A.M. Bergamin
 «Wer hat den stärkeren Gott? – Islam und Christentum: Der ewige Twist». Mit dieser Titelstory beendete das deutsche Nachrichtenmagazin «Spiegel» das Jahr 2009. «Koran und Bibel, die Betriebssysteme zweier Weltreligionen wetteifern um die Vorherrschaft» heisst es in dem Blatt, das als traditionell islamfeindlich gilt, wenn man die «Spiegel»-Titelstorys zum Thema Religion in den vergangenen Jahren verfolgt hat: «Der heilige Hass», «Mekka in Deutschland – die stille Islamisierung» oder «Allah im Abendland – neue Moscheen, Propagandazentren der Parallelgesellschaft?»: Der «Spiegel» hat sich irgendwie zur Propaganda-Maschine des «zu verteidigenden christlichen Abendlandes» gemacht. Jetzt ist offenbar auch ein Exemplar dieser Ausgabe des «Spiegels» im Briefkasten des Dorfpfarrers von Kleinlützel gelandet. Der stets um Konflikte mit seinen Oberherren bemühte Prediger hat neuerdings die Muslime ins Visier genommen. Allerdings kam sogar der «Spiegel» schon zur Erkenntnis, dass die Beziehungen zwischen Islam und Christentum eben nicht auf den berüchtigten «clash of civilizations» hinauslaufen würden. Der «Spiegel» schreibt, dass es sogar sein könnte, «dass das einst christliche, heute aber eher heidnische Europa» so viel Gottesgefälligkeit gar nicht verträgt.
Ein feiger Rückenschuss
Wenn Muslime bis anhin den Streit des Dorfpfarrers Franz Sabo aus Kleinlützel mit dem Bistum Basel als innerkatholische Angelegenheit betrachtet haben, so ist das jetzt vorbei. Denn seine neue Attacke an die Adresse des Vatikans geht diesmal auf Kosten der muslimischen Gemeinschaft. Dass der Basler Bischof Kurt Koch Nachfolger des deutschen Kardinals Walter Kasper im Vatikan geworden ist, war eigentlich schon längerer Zeit gerüchteweise bekannt. Seit kurzem ist klar, Bischof Koch wird als Kurienkardinal dem päpstlichen Einheitsrat vorsitzen. Vorher hat sich der gutmütige Bischof offiziell in der Baselbieter Kirchgemeinde Röschenz mit dem «aufmüpfigen Priester Franz Sabo» (Zitat Basler Zeitung) versöhnt. Diese angebliche Versöhnung ist nun zur Farce geworden. Mit seinem Buch «Der Tod stirbt nicht» hat Sabo Kochs Freude an der Beförderung auf den Ökumene-Chefposten in Rom nicht nur ordentlich verdorben – und Sabo hat dem Bischof nicht einfach nur in die Suppe gespuckt – sondern dem den Muslimen immer gutgesinnten und um den «echten Dialog» bemühten früheren Vorsitzenden der Schweizer Bischofskonferenz auf dem Weg nach Rom mehrfach direkt in den Rücken geschossen. Feige Rückenschüsse, und nicht nur das: Pfarrer Sabo pfeift damit auf das Zweite Vatikanische Konzil und trampelt auf den Gräbern dreier Päpste herum.
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