Grosses Interesse an der PK.
Grosses Interesse an der PK.

Der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) nahm heute ihm Rahmen einer gut besuchten Pressekonferenz in Bern Stellung zum Ermittlungsverfahren der Bundesanwaltschaft gegen das Vorstandsmitglied Naim Cherni i.S. Interview mit Dr. al-Muhaysini.

Kommuniqué 21122015-0124

 

Mit Erstaunen nahm der IZRS vom Ermittlungsverfahren der BA letzten Samstag aus der Presse Kenntnis. Er distanziert sich von den Vorwürfen und bekräftigt, dass der Vorstand geschlossen hinter Naim Cherni stehe.

Der Präsident, Nicolas Blancho, äusserte sich in einem Interview bereits vor der Veröffentlichung des Gesprächs mit Dr. al-Muhaysini dahingehend, dass es die Intention sei, glaubwürdige IS-Kritiker aus dem inner-islamischen Spektrum zu Wort kommen zu lassen.

Im Rahmen der Pressekonferenz stellt er klar, dass die Produktionen in keiner Weise ein Bezug zu Al-Qaida herstelle. Daher gab es keinen besonderen Anlass für eine Distanzierung. Der IZRS habe sich in der Vergangenheit bereits mehrfach von Gewalt und Terror distanziert. Er hält fest, dass der IZRS für den Islam der Mitte stehe und sich von jeder Form von Extremismus distanziere. Der ISIS stelle nicht nur den Westen vor Probleme, sondern vor allem und in erster Linie die Muslime. Im Islam gebe es zudem keinen Platz für theologischen Extremismus. Westlicher Interventionismus und weitgehender direkter und indirekter subtiler geistiger Kolonialismus wirke wie Wasser auf die Mühlen der Extremisten. Mit diesem Ermittlungsverfahren sende die BA ein falsches Signal aus. Dieses greife die pragmatischen Muslime, im Volksmund gerne auch Islamisten genannt, frontal an. Mit diesem groben Vorgehen und der mangelnden Kompetenz, die Komplexität der Situation richtig zu erfassen und einzuschätzen, spiele sie dem ISIS und seinen Anhängern in die Hände.

 

Naim Cherni betont, dass seine aktuellen Filmproduktionen die Absicht verfolgten, eine innerislamische Perspektive auf den ISIS zu entwerfen. Beide Produktionen haben in keiner Weise mit Al-Qaida zu tun. Dr. Muhaysini habe ihm gegenüber mehrfach bestätigt, dass er unabhängig sei. Er habe die Absicht mit diesem Interview, ein realistisches Bild der komplexen Situation in Syrien aufzuzeigen. Wenn es problematisch sei, dass umstrittene Personen in Kriegsgebieten zu Worten kommen, insbesondere solche an deren Händen auch Blut klebe, müsste die BA jetzt auch gegen andere Journalisten ermitteln. So habe gerade gestern die «Sonntagszeitung» Auszüge aus einem aktuellen Interview mit Bashar al-Asad publiziert. Naim Cherni beruft sich auf die Pressefreiheit. Diese gelte für das Bundesgericht «als tragende Grundlage der schweizerischen Demokratie, die den Bürgern zutraut, zwischen den Meinungen auszuwählen, Übertreibungen als solche zu erkennen und vernunftgemäss zu entscheiden.»

 

Der unabhängige Experte Tamer Aboalenin weist darauf hin, dass wer den Konflikt kenne und der arabischen Sprache mächtig sei, keinen Zusammenhang zwischen dem Interview und Al-Qaida herstellen könne. Die Anschuldigungen der BA seien aus seiner Sicht haltlos.

 

In seinem Schlusswort sagt Naim Cherni, dass er davon ausgehe, dass das Verfahren letztlich eingestellt werden dürfte – spätestens dann, wenn die zuständigen Behörden alle Fakten gesichtet haben.

 

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