Abgesperrt: Die Moschee Flums nach dem Angriff.
Abgesperrt: Die Moschee Flums nach dem Angriff.

An Extremismus wird nicht gespart: Wilde Interpretationen des Korans und ewig leidige Debatten, krasse Demagogie der Medien, Lethargie der Politik. Der Muslim wird a priori zum Feindbild, Moscheen zu Angriffszielen und muslimische Frauen zum plakativen Propagandamittel gegen die suggerierte Rückständigkeit des Islams. Wie lange wird noch zugeschaut?

Von Léna C. 

Der gestrige Brandanschlag auf die Moschee in Flums SG ist kein Einzelfall. Ähnliche Angriffe wurden auch in anderen europäischen Ländern ausgeübt. Wenn Moscheen angegriffen werden, bleibt wenig Spielraum für Spekulationen offen, ob es anti-islamisch motiviert war oder nicht. Die Attacken auf Muslime und Moscheen häufen sich – Schuld ist aber der Islam, Schuld sind extremistische Gruppierungen, Schuld ist plötzlich, wer überhaupt Muslim ist, von solidarischer Verantwortung der Schweiz kaum eine Spur. Vielmehr wird es raffiniert zurückgeschoben und die Hände saubergewaschen. Obschon in der Schweiz kein einziger islamistischer Anschlag verübt wurde, schüren die Medien ungehalten Angst und Schrecken vor dem Islam. Der Muslim trägt dieses Stigma auf der Strasse mit sich.

Muslime fordern ihr Recht heraus

Nichts rechtfertigt die politische Trägheit gegenüber den sich verdichtenden Tatsachen einer gesellschaftlichen Islamophobie. Die stille Tolerierung des gehässigen und nun vermutlich auch erstmals gewalttätigen Fanatismus gegen den Islam und die Muslime wirkt beängstigend. Werden aber muslimische Stimmen laut, sind sie radikal. Stehen sie für Ihre Identität ein, sind sie extrem. Fordern sie demokratisch ihre Rechte ein, distanzieren sich andere davon – wer bitte distanziert sich denn von der Legalität? Sie sollen bloss still sein, hört man aus dummstolzen Mündern. Fein säuberlich hält sich die Regierung aus der Volksverhetzung raus, lässt das Gesindel die gemeine Meinungsfreiheit brüllen, bis es eskaliert. Freie Meinung und Religionsfreiheit, so kommt es einem vor, gehen immer weiter auseinander und irgendwie ist es nur allzu klar, weshalb: fehlender Respekt, fehlende Objektivität. Meiner Meinung nach ist die Meinungsäusserungsfreiheit nur dann angemessen, wenn es die äquivalente Würde und die Bedürfnisse auch der Minderheiten achtet. Alles andere ist Kuhmist auf der Zunge. Der Staat muss endlich handeln, aber nicht etwa leichtfertig, indem er die Religionsfreiheit einschränkt – denn diese Tendenz ist stark – sondern indem er ein umfassendes Massnahmenpaket gegen die grassierende Islamophobie schnürt.

An die Islamfeinde

Der Appell ist deutlich: Hört auf, unsere Religion zu diffamieren, unsere Identität und unsere Rechte zu degradieren, unsere Frauen zu tyrannisieren und unser Leben zu bedrohen. Lasst uns in Frieden, sowie wir euch auch in Frieden lassen.

Damit leitet Allah jene, die Sein Wohlgefallen suchen, auf die Wege des Friedens, und Er führt sie mit Seiner Erlaubnis aus den Finsternissen zum Licht und führt sie auf einen geraden Weg.
[HQ Sure Al-Ma’ida 5:16]

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