begraebnis_bIn Schlieren gibt es auch im neuen Jahr keine Aussicht auf ein muslimisches Grabfeld. Der Gemeinderat will den Muslimen diese banale Bitte partout nicht erfüllen. Bereits im Juni 2013 verweigerte eine bürgerliche Mehrheit im Gemeinderat das vom Stadtrat unterstützte Anliegen. Mittlerweile ist die Hoffnung auf eine Kehrtwende versiegt. Eine traurige Absage an die integrationswilligen Schlieremer Muslime. 

(qi) Nachdem die bürgerliche Mehrheit die «Verordnung über das Friedhof- und Bestattungswesen» Bach ab geschickt hatte, musste der Stadtrat auf die Schaffung eines muslimischen Grabfeldes verzichten. Es folgte ein unschöner öffentlicher Schlagabtausch zwischen der VIOZ und Gemeindevertretern. Letztere warfen den Muslimen vor, «Sonderrechte» zu reklamieren, während die VIOZ weitestgehend sachlich darauf hinwies, dass es in einer pluralistischen Gesellschaft Platz für verschiedene religiöse Verständnisse geben müsse.

Geändert hat sich indes nichts. Die Akzeptanz für ein muslimisches Grabfeld sei von Anfang an nicht da gewesen, sagt die SP Gemeinderätin Rixhil Agusi-Aljili gegenüber der Limmattaler Zeitung. Nicht aus Kostengründen oder mangelnder Nachfrage sei die Vorlage abgelehnt worden, sondern aufgrund eines harten Vorwurfs: Der Wunsch nach abgetrennten Gräbern offenbare mangelnde Integrationsbereitschaft. Sie verstehe dieses Argument auch über ein halbes Jahr nach dem Entscheid noch nicht, sagt Agusi. Sie empfinde den Entscheid im Gegenteil als Rückschlag für die Integration.

Leila Drobi, eine Parteigenossin Agusis, nahm im letzten Mai noch einmal einen Anlauf. Ihr Anliegen, die muslimischen Grabfelder doch noch in die neue Friedhofverordnung zu integrieren scheiterte am selben hartnäckigen Widerstand wie schon damals 2013 das Anliegen des Stadtrats.

Muslime bevorzugen Bestattung im Ausland

Damit bleibt alles beim Alten. Die nicht so neue Erkenntnis, dass sich im Tod die Menschen eben trotz aller anderslautenden Rhetorik nicht gleich sind, wird auch in Schlieren geteilt und zwar von beiden Seiten. Muslime lassen sich derweil wie verschiedene Berichte zeigen, auch dann mehrheitlich im Ausland bestatten, wenn die Gemeinde Grabfelder zur Verfügung stellt. Grund dafür sind weiterhin ungelöste Knackpunkte wie etwa die beschränkte Grabesruhe oder die Sargpflicht.

Nach islamischem Ritus soll der Leichnam gewaschen und anschliessend in ein Totentuch gewickelt werden, bevor er ohne Sarg direkt in das nach Mekka ausgerichtete Grab gelegt wird. Ausserdem dürfen die sterblichen Überreste nach dem Begräbnis nicht mehr ausgegraben werden. Dies ist aufgrund von gesetzlichen Bestimmungen derweil in der Schweiz noch nicht gewährleistet.

Integration ist ein bilateraler Prozess. Schlieren ist ein Paradebeispiel für den fehlenden Willen der bürgerlichen Ratsmehrheit, Muslimen auch nur ein schickliches Begräbnis entsprechend ihrer religiösen Erfordernisse zu gewähren und damit zu zeigen, dass gesellschaftliche Integration ein tatsächliches politisches Ziel ist.

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