Die Islam-Arena vom 1.4.2016
Die Islam-Arena vom 1.4.2016

Gestern Abend diskutierten je ein Vertreter der FIDS, VIOZ des FFI und des IZRS mit Hugo Stamm in der Arena des SRF unter dem Titel „Angst vor dem Islam“. Vorab: Die Sendung verlief ohne Krawall. Aufhorchen liess Hugo Stamm mit einer heiklen kulturalistischen These über die Araber.

(qi) Jetzt mal ehrlich: Wider allem Pessimismus im Vorfeld hatte doch die Arena gestern für alle ein Stück Befriedigung übrig. Jeder kam zu Wort und jeder kriegte auf die eine oder andere Weise auch eins auf den Deckel.

Mit Abstand am wichtigsten jedoch war dies: Die muslimischen Verbandsvertreter gingen sich nicht in die Haare – wie dies Hugo Stamm wohl gerne gesehen hätte. Das ist ein extrem erfreuliches Signal. Selbst dem Gezänk um die Frage der Repräsentation wurde mit Blanchos Verweis auf die strukturelle Differenz zwischen Dach- und Grassrootsorganisation abrupt ein Ende gesetzt. In diesem Sinne ein grosses Lob an die drei Verbandsverteter Ben Mrad, Halilovic und Blancho.

Etikettenschwindel gab es in dieser Arena tatsächlich auch. Huge Stamm, eigentlich als Experte eingeladen, spielte mehr schlecht als recht den agent provocateur. Nach seinem unglücklichen Einstieg, bei dem er sich angesichts der geladenen muslimischen Exponenten mit seinem Islam-Erklärungsversuch eher auf Glatteis vorwagte, entpuppte er sich rasch als voreingenommener Chefankläger gegen den Koran, die Araber und den IZRS. Statt Einordnung und Analyse folgten normative Forderungen, Stereotypen und Tiraden. Wer Stamms anti-religiöse Haltung kennt, hatte auch kaum was anderes erwartet. Für allgemeines Kopfschütteln und Aufhorchen sorgte seine Einschätzung, wonach die arabischen Gesellschaften in der geistigen Entwicklung hinter den europäischen zurückgeblieben seien.

Die „fortschrittliche“ Jasmin El Sonbati legte offen und für jeden verständlich dar, wie sie den Islam abseits von Tradition und Normativität lebt und interpretiert. Der Verweis auf die schweigende Mehrheit, welche sie angeblich vertrete, war freilich ein Eigentor. Schliesslich könne er sich ja auch zum Präsident der schweigenden Mehrheit aller Schweizer ausrufen, amüsierte sich Blancho. Sie erschien aber verglichen mit anderen Vertreterinnen ihrer Denkschule gemässigter im Ton und sachlicher in der Argumentation.

FIDS Präsident Montassar BenMrad hielt El Sonbati Zahlen der EKR entgegen, welche belegen sollen, dass sich die messbare Islamophobie in der Schweiz verdoppelt habe. El Sonbati wollte von einer solchen Entwicklung eingangs nichts wissen und stellte sie in Abrede.

Sakib Halilovic zog viel Erstaunen und Bewunderung auf sich, als er den Moderator Jonas Projer nicht nur als seinen Bruder, sondern gar zum Doppelbruder erklärte.

Nicolas Blancho kritisierte angesprochen auf einen muslimischen Schüler, der aus religiöser Überzeugung seiner Lehrerin die Hand nicht reichen wollte, dass der Pluralismus als verbindender Wert zunehmend auf Ablehnung stosse und sich stattdessen eine wertetotalitäre Haltung in der Gesellschaft breit mache.

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