(ni) Nach jahrelanger Diskussion hat der Bieler Gemeinderat nun endlich entschieden eine Grabstätte für Muslime zu bewilligen. In der Stadt Biel leben um die 5000 Muslime, welche bis anhin keine Möglichkeit hatten sich nach dem islamischen Ritus beerdigen zu lassen.

Auf dem Friedhof Madretsch in Biel sollen auf einem noch freistehenden Feld Grabeinheiten für Muslime errichtet werden, teilte der nur noch wenige Tage im Amt weilende Bieler Gemeinderat Hans Stöckli gestern am Rande einer Medienkonferenz mit.

Jahrelang wurde diskutiert

«Das Resultat von sechs Jahren hartnäckiger Arbeit» nannte Bettina Bergner den Entscheid des Gemeinderats. Als Leiterin der städtischen Integrationsfachstelle setzte sie sich in einer Arbeitsgruppe seit Jahren dafür ein, dass Muslime in Biel nach den Riten ihres Glaubens bestattet werden können. Für sie sei es «primär eine Sache von Menschenwürde», dass Muslime die Möglichkeit haben, die letzte Ruhe nach der Art ihres Glaubens zu finden.

Umsetzungsvorschläge für eine muslimische Grabstätte liegen schon seit 2002 dem Gemeinderat vor. Damals richteten  verschiedene muslimische Interessen-Vertretungen die erste Anfrage an die Stadt. Dass es nun bis zum definitiven Entscheid solange dauerte, sieht Bettina Bergner nicht nur negativ: Denkprozesse brauchten Zeit.

Für Bergner bedeutet die Schaffung der Grabfelder für Muslime zudem die Anerkennung eines humanitären Grundrechts: Nämlich dass man dort, wo man sein Leben verbracht hat, auch beerdigt wird. Ausserdem sei es ein Zeichen für die Muslime, als Einwohner von Biel akzeptiert zu werden

Grosse Erleichterung

Der Sekretär der Muslimischen Gemeinde Biel freut sich. Er sei sehr erleichtert und froh über diesen Entscheid. Für gläubige Muslime, welche in der Schweiz wohnhaft sind, sei es ein grosses Bedürfnis, sich hier nach den Glaubensriten des Islams bestatten zu lassen. Der Sekretär sagte weiter, für ihn habe es mit Akzeptanz und Respekt zu tun, einem Menschen seinen letzten Wunsch nach einem rituellen Begräbnis zu erfüllen.

Beerdigungen ab August 2011 möglich

Als einen «guten Kompromiss mit dem alle leben können», bezeichnete Baudirektor Hubert Klopfenstein den Entscheid zur Schaffung der Grabstätte. Im Januar dieses Jahres betonte er noch, dass er zu diesem Thema eine «kritische Einstellung» habe. Er begründete dies jedoch nicht näher.

Das freie Feld auf dem Friedhof Madretsch liegt laut Klopfenstein direkt neben dem Grabfeld für Menschen jüdischen Glaubens und biete für rund 600 Gräber Platz. Für die Muslime würde aber wie für alle anderen dasselbe Friedhofreglement gelten.

Um einen «Begräbnistourismus» zu verhindern, sollen nur Personen mit Wohnsitz in Biel und den umliegenden Gemeinden den Anspruch auf ein muslimisches Grabfeld auf dem Friedhof Madretsch haben. Erste Bestattungen sollen gemäss Klopfenstein ab August 2011 stattfinden können.

Quelle: Bieler Tagblatt, Grabfeld für Muslime im Friedhof Madretsch, 22.12.2010

 

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