Immer mehr Schweizer Männer Opfer von Frauen
Immer mehr Schweizer Männer Opfer von Frauen

In der Schweiz werden immer mehr Männer ihren Frauen nicht mehr Herr und flüchten aus Angst vor Schlägen ins Männerhaus. Die Schweizer Polizeistatistik belegt: Im Jahr 2011 wurden 2000 Männer Opfer häuslicher Gewalt.

(qi) Gemäss einem Bericht der «Sonntags-Zeitung» von heute suchen im einzigen Schweizer Männerhaus «Zwüschenhalt» im Kanton Aargau immer mehr Männer Zuflucht vor ihren prügelnden Ehefrauen. Der Jahresbericht 2012 gibt Aufschluss darüber, dass die Beratungsfrequenz im Vergleich zum Vorjahr um 30% angestiegen sei. 326 Anrufe seien auf der Notfallnummer im vergangenen Jahr empfangen worden. Wegen Überlastung habe man ausserdem mehrere von Gewalt betroffene Männer abweisen müssen.

Um Einzelfälle scheint es sich nicht zu handeln. Oliver Hunziker, Leiter des Männerhauses, bestätigt gegenüber der «Sonntags-Zeitung» diesen Trend: «Das Bedürfnis an Beratung und Betreuung ist gigantisch.» Und er fügt hinzu: «Was wir sehen, ist nur die Spitze des Eisberges.»

Dass sich Schweizer Männer zunehmend vor Gewalttätigkeiten ihrer Frauen fürchten, zeigt auch ein Blick auf die eidgenössische Kriminalstatistik. Demnach habe die Polizei bereits im Jahr 2011 über 2000 männliche Opfer von häuslicher Gewalt registriert.

Hintergründe bleiben im Dunkeln

Über die Hintergründe des Anstiegs wird gerätselt. Ist die veränderte Gewaltbereitschaft der Frauen auf die Rollenverschiebung in westlichen Gesellschaften und eine damit verbundene berufsbedingte Überlastung zurückzuführen? Oder haben die Schweizer Männer ihre Wehrhaftigkeit eingebüsst bzw. fürchten sie für den Fall, dass sie sich zur Wehr setzen, vom Klischee des schlagenden Ehemanns eingeholt zu werden?

Der Dachverband «Schweizer Männer und Väterorganisationen» hat sich dazu nicht geäussert. Er jedoch fordert ein Umdenken und zwar weg von der einseitigen Portraitieren der Männer als Täter bzw. Frauen als Opfer: «Es wäre dringend nötig, mehr spezifische Hilfsangebote für Männer zu schaffen», meint Markus Theunert, der Präsident des Dachverbands und kritisiert Bund und Kantone: «Beide sind bis heute nicht bereit, entsprechende Angebote finanziell und politisch zu unterstützen.»

Das Eidgenössische Büro für Gleichstellung sprach sich gegenüber der «Sonntags-Zeitung» für einen «bedarfsgerechten Ausbau» aus. Laut Direktorin Sylvie Durrer liege der Ball aber bei den Kantonen.

Quelle: «Sonntags-Zeitung», 10.02.2013.

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