Muslime unter Generalverdacht: Offener Brief an die Kapo Thurgau
Muslime unter Generalverdacht: Offener Brief an die Kapo Thurgau

Der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) kritisiert in einem offenen Brief die Art und Weise, wie die Kantonspolizei Thurgau gegen sogenannte «Dschihad-Sympathisanten» mobil macht. Tatsächlich setzt sie damit Muslime der Gefahr eines gesellschaftlichen Generalverdachts aus. Der Rat bittet die Kapo um eine Korrektur.

Früherkennung von Dschihad-Sympathisanten

Sehr geehrte Damen und Herren

Mit Verwunderung haben wir aus den Medien von Ihrem Brief an Behörden, Ämter, Schulen und Jugendorganisationen Kenntnis genommen, wobei Sie sich nach eigenen Angaben «intensiv mit dschihadistischen Bedrohungen» befasst haben. Verwunderung deshalb, weil der Wortlaut Ihres Briefes anders als durch Ihren Sprecher Herrn Metzler gegenüber «20 Minuten» beteuert, sehr wohl geeignet ist, Muslime aller Couleur in der Öffentlichkeit einem Generalverdacht auszusetzen.

So schreiben Sie, dass auffallende äusserliche Veränderungen (Kleidung, Bart) auf eine Radikalisierung hindeuten könnten. Weiter setzen Sie «plötzliche Sympathiebekundungen für den Islam» und solche für den «IS» in einem Satz unterschiedslos nebeneinander und beurteilen einen nicht näher definierten «Rückzug aus dem sozialen Umfeld» als verdächtig.

Mit dieser auf Muslime im Allgemeinen und Konvertiten im Speziellen abzielenden Stereotypisierung verfallen Sie in ein oberflächliches «Profiling», womit Sie weder Ihren angekündigten Zielen, noch der sozialen Kohäsion einen Dienst erweisen. Ihr beispielloses Vorgehen führt vielmehr zu Verunsicherung und Misstrauen in der Gesellschaft, weil nun in der breiten Bevölkerung der Eindruck entstehen könnte, dass der Thurgau einer besonderen und unmittelbaren Bedrohung durch «Dschihad-Sympathisanten» ausgesetzt sei.

Der Islamische Zentralrat missbilligt jede Form von «Profiling» aufgrund der rassischen, ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit und erwartet insbesondere von staatlichen Institutionen wie der Polizei, dass auch über die Kader hinaus, eine entsprechende Sensibilisierung stattfindet. Ihr Brief geht ganz offensichtlich in eine falsche Richtung, weshalb wir Sie bitten, schnellstmöglich geeignete Massnahmen zu ergreifen, den verursachten Missstand zu beheben.

Hochachtungsvoll

Die Generalsekretärin
Ferah Ulucay

–> IZRS-Replik „Früherkennung von Dschihad-Sympathisanten“ als PDF hier.

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