Sonntagsblick: Schweizer Islamisten und Co.
Sonntagsblick: Schweizer Islamisten und Co.

Die Schweizer Sonntagspresse greift den Terrorangriff des in der Schweiz aufgewachsenen mutmasslichen kosovarischen Extremisten Cendrim R. nochmals auf. Doch sie geht nicht ins Detail, sondern verliert sich im Hassprediger-Einheitsbrei. Differenzieren täte aber dringend Not.

Von Abdel Azziz Qaasim Illi

Rechtfertigt ein einzelner Muslim seine zu verurteilende Gewalttat mit dem Islam, schlägt die Stunde der Islamexperten und -Kritiker. War ja klar, musste so kommen, heisst es überall. Schuld daran seien natürlich die langbärtigen Hassprediger – die allesamt die Jugend radikalisieren. Der Titel ‚Hassprediger‘ ist bisweilen nicht geschützt und kann von Journalisten nach Belieben verliehen werden. Ein Gütesiegel oder eine ISO-Norm gibt es noch nicht.

Dass der 23-jährige Cendrim R. offenbar eine ganz andere Art von Extremisten-Karriere absolviert zu haben scheint, wird mit Kampfbegriffen wie „Salafismus“ oder „Hassprediger“ geschickt überblendet. Schaut man sich die Liste seiner Vergehen (versuchter bewaffneter Raub, Raufhandel, mehrfache einfache Körperverletzung und Nötigung, Drohung, Beschimpfung, Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen, mehrfache Hinderung einer Amtshandlung, mehrfache Sachbeschädigung, mehrfache Vergehen gegen das Waffengesetz) etwas genauer an, dann ist daran aber auch gar nichts zu erkennen, was auf eine religiös orientierte Laufbahn hinzudeuten vermag. Vielmehr scheint der junge Mann vor seinem Gefängnisaufenthalt eine ganz klassische schiefe Bahn, wie sie auch Henris oder Müllers beschreiten, eingeschlagen zu haben.

Und dennoch: Schuld daran müssen natürlich die ‚Hassprediger‘ haben und zwar nicht etwa nur solche, die Hass predigen, sondern auch klassische Theologen wie Shefqet Krasniqi oder Abdul Adhim, die sich immer wieder deutlich von solchen Gewalttaten distanziert haben. Sie alle landen unterschiedslos im selben Topf.

Diese Art der unterschiedslosen Hetze gegen Prediger und Verbände ist wenig förderlich – ja könnte an sich die Qualität der Hasspredigt erfüllen. Differenzieren entlang von Fakten täte dringend Not, wäre man tatsächlich daran interessiert, die gesellschaftlichen Vorbehalte gegenüber Muslime abzubauen und jene Kräfte zu identifizieren, die tatsächlich eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen, was sich dummerweise nicht an der Bartlänge ihrer Prediger ablesen lässt.

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