Ein bekanntes Muster wiederholt sich: Im Vorfeld der „Islam Salam“ Konferenz in Zürich polemisiert der „Sonntagsblick“ gegen muslimische Referenten. Fakten spielen dabei keine Rolle, im Vordergrund stehen Quoten und das nackte Überleben der angeschlagenen Printpresse – auf Kosten ihrer Glaubwürdigkeit.

(qi) Der „Sonntagsblick“ machte in seiner gestrigen Ausgabe Stimmung gegen die anstehende Friedenskonferenz „Islam Salam 2017“ in Zürich. Im Wesentlichen erhob er Vorwürfe gegen drei Gäste. Sie seien „radikal“. Als Beispiel wird der kuwaitische Intellektuelle Dr. Muhammad al-Awadhi in genannt. Alleine die Tatsache, dass der promovierte Wissenschaftler u.a. in Riad und Mekkah Auslandsstudien absolviert hat, scheint zu reichen, ihm das Label „radikal“ aufzudrücken. Dabei ist al-Awadhi seit Jahren bekannt für seine klare Ablehnung der IS-Ideologie und sein Eintreten für einen Islam der Mitte „al-Wasatiyya“. In diesem Geiste stand auch die Friedenskonferenz „Islam Salam“, die genau vor einem Jahr zum ersten Mal in Bern und Zürich ohne den geringsten Zwischenfall über die Bühne ging.

Dass der „Sonntagsblick“ einen leichten Umgang mit Fakten pflegt, ist ja nun wirklich kein Geheimnis. Für Erstaunen sorgt da schon die „NZZ“, die an ihrer jüngsten Generalversammlung ihre Strategie bekräftigte, auf Qualität und eine solide zahlende Leserschaft setzen zu wollen. Ihr Artikel erschien gut 24 Stunden nach dem die ersten Online-Portale bereits aus dem „Sonntagsblick“ zitierten – also reichlich spät. Wer nun eine Vertiefung und Versachlichung der Berichterstattung erwartete, reibt sich die Augen. Muhammad al-Awadhi wird mit Berufung auf den „Sonntagsblick“ ebenfalls als „radikal“ vorgestellt. Fynn Jamal, eigentlich aus Kota Tinggi in Malaysia, komme neuerdings aus Indonesien und das Iman-Team sei eine Nachfolgeorganisation von „Lies!“ – freilich alles weitab von der Realität aber wen interessiert das an einem Tag, an dem ein Fünftel der wählenden Nachbarn sich für Marine Le Pen als Präsidentin ausspricht? Zu diesem ganzen Faktenchaos der „NZZ“ passt, dass selbst der Name der IZRS-Pressebeauftragten komplett falsch im Artikel erscheint.

Apropos „radikal“, ein Klick in die Facebook Kommentare beim „Blick“ zeigt sehr rasch, worum es eigentlich geht. Offenkundig nützt den ums wirtschaftliche Überleben kämpfenden Medien heute die Bewirtschaftung der seit Jahren anhaltenden und zunehmend bedrohlich anmutenden islamophoben Grundstimmung. Nur Fussball vermag mehr Interaktionen zu produzieren als das Thema Islam und nichts übertrifft wohl die Quote an strafrechtlich relevanten Hasskommentaren – die unbehelligt von den Administratoren auch am Tag danach noch auf der Pinnwand verweilen. Was hilft es da noch zu betonen, dass alle geladenen Gäste der „Islam Salam“ sich deutlich und mehrfach von Extremismus aller Art distanziert haben?

Die Öffentlichkeit wird eingeladen, der Stimmungsmache des „Sonntagsblicks“ nicht zu folgen und sich stattdessen vor Ort an der Konferenz eine eigene Meinung zu bilden. Alle Besucher, Presseschaffende und Politiker sind herzlich eingeladen. Schliesslich kam es schon bei der letztjährigen „Islam Salam“ Konferenz im Vorfeld zu haltloser Polemik. Im Nachgang blieb davon aber nichts mehr übrig – ein Muster, welches bei allen islamischen Veranstaltungen in den vergangenen Jahren mehr oder minder in Erscheinung trat.

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