Generalversammlung 2014 in Volketswil ZH
Generalversammlung 2014 in Volketswil ZH

Am 26.10.2014 fand in Volketswil die alljährliche ordentliche Generalversammlung des Vorstands und der Aktivmitglieder des Islamischen Zentralrates Schweiz statt. Institutionell gibt es keine grossen Veränderungen. Zu reden gaben vor allem die Lage im Mittleren Osten und deren Auswirkung auf die Muslime in der Schweiz.

(jr) Nach der Begrüssung durch die Generalsekretärin des IZRS, Ferah Ulucay, wurden fünf Aktivmitglieder verabschiedet, gefolgt von der Vorstellung der potentiellen neuen Aktivmitglieder und die Abstimmung über deren Aufnahme begann. Wir freuen uns, alle der elf Bewerber/innen neu in unseren aktiv Reihen begrüssen zu dürfen. Alle elf Bewerberin/innen schafften den Einzug in die Aktivmitgliedschaft mit Glanzresultaten.

Der Finanzdepartementsleiter Hodza Adisin präsentierte gleich zu Beginn die schon länger ausstehenden Finanzberichte für die Jahre 2012 und 2013, welche ohne Einspruch genehmigt wurden. Die Berichte werden in den kommenden Tagen publiziert. Qaasim Illi meldete sich mittels Audiobotschaft aus dem Ausland mit einer Analyse der aktuellen Situation des Islams in der Schweiz mit Bezug auf die internationalen Vorkommnisse und Konflikte zu Wort. Dabei betonte er die politischen Entwicklungen in den arabischen Staaten, deren primäres Augenmerk nicht auf der Erhaltung und Stärkung der islamischen Gemeinschaft, sondern auf der Sicherung des jeweils eigenen Machtanspruches und dem Gnadenfinden in den Augen einiger westlicher Staaten zu liegen scheint. Die Relativierung der eigenen zu Gunsten importierter Werte in den mehrheitlich muslimischen Staaten und die vorangetriebene Vertreibung des Religiösen und deren Moral aus der Öffentlichkeit in den privaten Raum sind es, so Illi, die uns wachrütteln, die uns dazu veranlassen sollten, für unsere islamischen Werte einzustehen und sie eben nicht dem Verfall preiszugeben.

Der Rückblick auf die Veranstaltungen und Ereignisse aber auch auf die Hintergrundarbeit des vergangenen Jahres machte deutlich, wie viel geschehen war und wie viel erreicht werden konnte. Demonstrationen für unsere Geschwister in Ägypten und Gaza, sowie zwei Filmvorführungen im Gedenken an die Nakbah der Palästinenser mit dem bekannten Menschenrechtsanwalt Stanley Cohen als Gastredner, Infostände in der ganzen Schweiz und die Islamic Fashion und Lifstyle Show, um nur einige zu nennen. Über eine Konferenz zur Schaffung eines einheitlichen, europaweit gültigen Halal-Labels in Sarajewo, dem sowohl Vertreter verschiedener islamischer Verbände, als auch der Industrie beiwohnten, berichtete Nicholas Blancho, der ebenfalls teilgenommen hatte. Der absolute Höhepunkt in diesem Jahr – die Jahreskonferenz 2014 – mit vielen namenhaften Gästen, steht jedoch noch bevor und hält noch einige kleine organisatorische Punkte bereit, die es abzuarbeiten gilt.

Das in diesem Jahr neu in Betrieb genommene Departement für Kulturproduktion unter der Leitung von Naim Cherni produzierte diverse Comedy-Videos und erreichte damit eine breite Öffentlichkeit. Auch eine Reportage über die Verteilung von Essenspaketen zum Eid al-Fitr an die Bedürftigen in Syrien, für die der IZRS in kürzester Zeit 26.500 US$ an Spenden sammeln konnte, und die Berichte über die jüngsten Ausschreitungen zwischen Kurden und Muslimen in Hamburg leisteten einen wichtigen Beitrag.

Im Anschluss an eine offene Diskussionsrunde, in der die Mitglieder ihre Meinung zu den aktuellen Krisenherden und Baustellen äussern konnten, aber auch neue Ideen und Kritik einbrachten, folgte abschliessend die Ansprache des Präsidenten Nicolas Blancho, in der auch einige von den Mitgliedern angesprochene Punkte tiefergehend thematisiert wurden.

Die aktuelle Situation im Ausland, vor allem die Existenz des „Islamischen Staates“ in Syrien und im Irak stellen uns vor neue Herausforderungen. Die Berichte über die Geschehnisse in diesen Kriegsgebieten und die wachsende Angst der Bevölkerung vor terroristischen Anschlägen in den europäischen Ländern dienen gewissen Akteuren als Steilvorlage, ihr Vorgehen gegen die lokale islamische Glaubensgemeinschaft weiter zu legitimieren, so wie es die jüngste, willkürliche Verhaftungswelle im Kosovo bewiesen hat – eine Tendenz, die sich leider auch in anderen Ländern immer stärker abzuzeichnen scheint. Es ist letztlich jedoch an den Muslimen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sich nicht gegenseitig in Grabenkämpfe über Nichtigkeiten oder in endlose Diskussionen über Meinungsverschiedenheiten zu verwickeln, sondern als Gemeinschaft, als Umma zusammenzustehen gegen die Angriffe von aussen. Der Islam, so Blancho, ist eine Religion der Gemeinschaft. Spalterei ist nicht nur eine ihn zerstörende Tendenz, sondern eine grosse Sünde noch dazu. Sie macht die Muslime anfällig und schwach. Wollen wir der allgemeinen Diffamierung unseres Glaubens und der Einschränkung unserer Religionsfreiheit entgegenwirken, so geht das nur als Gemeinschaft, als Umma eben, die ihre innerislamischen Differenzen hinten anstellt.

Veränderungen im Bereich des Vorstandes und bei den Statuten wurden keine beantragt.

 

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