Tatort Hijab: Zusammenstoss zweier Weltbilder?
Tatort Hijab: Zusammenstoss zweier Weltbilder?

Nachdem der Europäische Gerichtshofs für Menschenrechte das Niqab-Verbot in Frankreich abgesegnet und damit die Intoleranz gegenüber dem islamischen Schleier zur Norm erhoben hat, kann man sich die Frage stellen, ob in der (europäischen) westlichen Moderne sowas wie ein gesellschaftlicher Zwang zum Unsittlichen besteht. Ein Gastkommentar von Schwester Léna

Von Léna

Im Namen Allahs, des Allerbarmers und des Barmherzigen. Alles Lob gebührt dem Herrn der Welten und aller Geschöpfe.

Täglich stehen die Schwestern unserer Ummah Zuhause vor dem Spiegel und binden ihre Tücher in den verschiedensten Farben und Varianten. Mutig und entschlossen sagen sie den Widerstand an gegen all diejenigen, die das von Allah swt gegebene Recht, sich zu bedecken, vereiteln wollen. Sie kämpfen um ihre Würde, sie kämpfen für ihren Glauben.

Die islamische Bedeckung der Muslima ist nicht vorrangig ein religiöses Symbol, sondern eine von Allah swt auferlegte Pflicht, um sowohl sich selbst und andere zu schützen als auch moralische Werte in der Gesellschaft zu sichern. Heute allerdings ist der Hijab bzw. Niqab auch zum Zeichen der Auflehnung geworden, ein starkes Statement in einer Welt, die immer mehr zur Verdorbenheit verkommt.

Das am 1. Juli vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gutgeheissene Verbot der Gesichtsverschleierung in Frankreich ist ein internationales Beispiel für die vorangetriebene Entkleidung der Muslima. Obwohl hier zwei grundverschiedene Ansichten aufeinandertreffen, die ihre Berechtigungen haben, zeigt sich vernünftig betrachtet dennoch, dass ein Gebot, sich sittlich zu bekleiden wohl eher einleuchtet, als ein Verbot, das zwingt, sich auszuziehen – mit welcher Begründung auch immer.

Im Pressebericht der EGMR heisst es, das Verbot sei mit „dem gesellschaftlichen Zusammenleben und der öffentlichen Sicherheit“ begründet. Die soziale Interaktion und die öffentliche Sicherheit seien demnach durch die Bedeckung des weiblichen Gesichts grundlegend gefährdet. Das polare Argument des EGMR, eine Muslima würde durch ihre Verschleierung das Gemeinschaftsleben in Frage stellen, gar bedrohen, ist wohlgemerkt eine dreiste Unterstellung, generell ein Problem der voranschreitenden säkularen Indoktrination und eine plakative Instrumentalisierung, die der muslimischen Frau fortwährend Rückständigkeit zuspricht und nicht mal annähernd ihre Würde und ihre Eigenständigkeit respektiert.

Wäre im derzeit populären Sicherheitswahn und in der nackten Moderne wirklich noch etwas anderes zu erwarten? Wohl kaum. Hier muss man tatsächlich von unbiegsamem Gewohnheitsstarrsinn und unfähiger Transportation sprechen, andere, fremde, aber erwiesen sittsamere Werte in das Zusammenleben zu integrieren. Sagen wir’s mal überspitzt: Eine Frau soll sich erst entkleiden, damit sie gesellschaftlich anerkannt und nicht als Bedrohung empfunden wird. Es bleibt also fraglich, ob die zwischenmenschliche Beziehung konkret durch den Schleier oder nicht doch eher durch Fremdenangst gestört wird.

Hingegen müssen wir eingestehen: Das Stigma des muslimischen Schleiers ist durch die Realität gestützt. Musliminnen leiden nach wie vor auf der ganzen Welt unter Gewalt und Zwang und haben immer noch wenig Zugang zur Bildung. Solche Faktoren lassen zusätzlich Freiraum für Ausgrenzung. In Anbetracht dessen, dass die Mischung aus lokalen Traditionen und Bildungsmangel Zwänge auferlegt, hat sich aus traditionellen Fängen schon so manche befreit – ob sie dafür gleich die gesamte Religion verwirft, gar verleumdet? Ist dies nicht eher die Tendenz von individualistischem Freiheitsdenken säkular orientierter Frauen? Wenn man von solchen Freiheitsparolen ausgeht, ist die zwanghafte Auszieh-Tradition Europas geradezu verhangen im Widerspruch und mit so einem absurden Verbot abermals bestätigt.

Obgleich solche Debatten und Verbote am fundamentalen Element unseres Glaubens kratzen, die wahre Problematik liegt in unserer Mitte: Die Ummah ist geschwächt und gespalten. Kein Wunder also – wir müssen verstehen, dass nicht etwa die Menschenrechte oder etwas anderes als der Islam zu unserem Nutzen oder zu unserem Schaden sind, sondern was wir aus unserem Glauben machen und wie wir es gemeinsam anpacken. Jede selbstbewusste und standhafte Schwester mit Hijab / Niqab ebnet den Weg für den Sieg Allahs!

*Der Artikel widerspiegelt die private Meinung der Autorin. Der IZRS lädt seine Leserschaft ein, ihre Meinungen oder Erlebnisse im Rahmen eines Artikels zwecks Publikation auf der Webseite izrs.ch einzureichen.

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