Bern/Genua, 19.03.2012

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(qi) Die Europäische Muslim Liga (EML) war vergangenen Samstag in der historischen «Commenda di Pre» in Genua mit einer gut besuchten Konferenz über die christlich-muslimischen Beziehungen in Afrika zu Gast. EML Präsident Alfredo Maiolese eröffnete das Podium in Andenken an den historischen Hintergrund der «Commenda», die 1080 als Herberge für christliche Pilger und Kreuzritter unterwegs nach Jerusalem erbaut wurde.

Am Samstag freilich ging es nicht um einen historischen Rückgriff auf die Zeit der Kreuzzüge, sondern um die Frage christlich-muslimischer Beziehungen im zeitgenössischen Afrika. Immer wieder ist in der europäischen Öffentlichkeit die Rede von religiös motivierter Gewalt zwischen Angehörigen der zwei Religionen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Podiums waren sich einig, dass es keinen religiös-dogmatischen Grund für solche Auseinandersetzungen gebe, die Gewalt vielmehr auf politische oder ethnische Konflikte zurückzuführen sei. Religion werde einerseits entsprechend den Interessen der Konfliktparteien instrumentalisiert oder dann quasi in einem zweiten Schritt als Rechtfertigung für schwer erklärbare und mittlerweile chronisch gewordene lokale Antagonismen missbraucht.

H.E. Amira Daoud Hassan Gornass, Botschafterin des Sudans in Italien, verdeutlichte dies am Beispiel des vielzitierten Konflikts in Darfour. Sie betonte, dass Christen und Muslime ausserhalb der Konfliktzonen seit Jahrhunderten friedlich zusammen lebten, dass Kirchen und Moscheen aneinander grenzten und es nie zu Problemen zwischen den Gläubigen gekommen sei. Erst der ethnisch motivierte Kampf um Land und Vorherrschaft habe den Religionsfrieden in der Kampfzone gestört. Ursächlich die Religionen für den Konflikt verantwortlich zu machen, sei historisch nicht haltbar.

Mons. Luigi Borzone, der Ehrenprälat des Papstes, begrüsste die Bemühungen der EML, Christen und Muslime aus verschiedensten Kontexten an einer Konferenz unter dem Banner des friedlichen Zusammenlebens zu vereinigen. Jede Bemühung in Richtung Friede sei eine gute und verdiene die uneingeschränkte Unterstützung des Vatikans.

Der Grossmufti von Tunesien, H.E. Shaykh Othman Battikh betonte die normativen Gemeinsamkeiten der zwei Religionen und verwies dabei auf das Kapitel Al-Imran im Heiligen Qur’an, wo Allah swt die Leute der Schrift aufruft, sich zusammen mit den Muslimen auf der Basis des Monotheismus zu verständigen. Auch der Mufti sah keinen Grund für einen religiös motivierten Konflikt. Selbst dort wo Extremismus religiös begründet werde, liege immer ein profaner, meist politischer Konflikt als eigentliche Hauptursache vor.

Prominenz und Al-Jazeera live-Übertragung

Die internationale Konferenz war gut besucht. Gegen 300 Personen aus verschiedenen europäischen Ländern waren zugegen. Die EML bedankte sich bei der Stadt Genua für die freundliche Unterstützung und die Bereitstellung der «Commenda». Die Bürgermeisterin von Genua dankte den Gästen ihrerseits für die interessanten Vorträge. Sie hoffe auf eine Fortsetzung des Dialogs.

Die Konferenz wurde von Al-Jazeera Mubashir (live) übertragen und dürfte damit hunderttausende Zuschauer in der arabischen Welt erreicht haben.

Die Schweiz wird in der EML durch den Islamischen Zentralrat vertreten, der mit einer Delegation in Genua mit dabei war.

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