Basel, 01.06.2010

***Zitiert nach Blick.ch***

Es geschah am hellichten Tag. Letzten Mittwoch um 17.15 Uhr wurde eine junge Türkin (29) am Barfüsserplatz attackiert. Von hinten. Mit der Faust, ins Genick.
Wie die Staatsanwaltschaft heute mitteilt, trug das Opfer ein Kopftuch und wartete an der Tramhaltestelle beim Kiosk mit ihrer Tochter (2) und einer Schwägerin.Plötzlich schlug eine Frau zu. Deckte die Türkin mit Schimpftiraden ein. Die Muslimin blieb unverletzt. Dennoch leitete die Staatanwaltschaft nun ein Verfahren wegen Tätlichkeit und Rassendiskriminierung ein.

«So einen Fall hatten wir noch nie»

Laut Markus Melzl von der Staatsanwaltschaft erfolgte der Angriff wegen der Religionszugehörigkeit des Opfers. «So einen Fall hatten wir noch nie», sagt er zu Blick.ch.

Zur Tatzeit herrschte am Kiosk beim Barfüsserplatz Hochbetrieb. Trotzdem meldete sich niemand, der etwas gesehen haben will. Das löst Betroffenheit aus: «Es waren bestimmt wieder einige Schaulustige dabei, die wortlos zugesehen oder sich womöglich amüsiert haben, anstatt einzuschreiten», schreibt Blick.ch-Leser Kevin Sipi aus Luzern.

«Das haben wir von den Hetzkampagnen»

Liegt der Ursprung dieses rassistischen Vorfalls in der hitzigen Burka-Debatte der letzten Tage? Elisa Streuli von der Abteilung Gleichstellung und Integration: «Ein Kopftuch ist noch kein Symbol für Fundamentalismus. Es ist aber möglich, dass mit der öffentlichen Diskussion Ängste geschürt und Muslime in die fundamentalistische Ecke gedrängt werden.»

Blick.ch-Leserin Angi T. aus Zürich sieht jedenfalls die nicht abreissen wollende Diskussion um die Muslime als Auslöser für die Gewalttat. «Traurig, traurig! Das hat man von den ganzen Hetzkampagnen. Wir hatten fast keine Probleme mit Muslimen und trotzdem hetzt man das ganze Volk gegen sie auf», schreibt sie.

«Ich schäme mich für die Schweiz»

«Ich schäme mich für die Schweiz, ich schäme mich, diese Nationlität zu haben. Es gab mal Zeiten, da war die Schweiz mitunter für ihre humanitären und toleranten Bürger geachtet. Davon scheinen wir uns aber weit entfernt zu haben», schreibt Iwan Lässer aus Luzern.

Und auch Blick.ch-Leserin Kathi Flückiger findet: «Eine Frechheit so etwas! Wieso kann man Menschen nicht einfach leben lassen?» Die Gesuchte passt indes nicht ins klassische Schema einer Rechtsextremen. Sie ist zirka 45-jährig und 165 cm gross. Die Frau hat kurze, gewellte, professionell frisierte Haare und eine gepflegte Erscheinung. Sie sprach Schweizerdeutsch.

Quelle: Wer sah die Frau mit der Föhn-Frisur? in: Blick.ch, 01.06.2010.

 

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