Arnoud van Doorn: «Vom Saulus zum Paulus»
Arnoud van Doorn: «Vom Saulus zum Paulus»

Am 27. Februar 2013 erstaunte der niederländische Lokalpolitiker und ehemalige Geert Wilders-Anhänger, Arnoud van Doorn, seine Twitter-Followers mit dem islamischen Glaubensbekenntnis.

(qi) Am 4. März begrüsste von Doorn seinen 10’000sten Follower. Heute sind es bereits 13’625. Was nur war geschehen, dass dem lokalen Politiker plötzlich Tausende Twitter-Nutzer folgten? Der einstige Islamophob, Freund und Anhänger des rechtspopulistischen Politikers Geert Wilders, war am 27. Februar zum Islam konvertiert.

Seither folgen ihm Tausende Muslime auf Twitter. Der TV-Sender «Al-Jazeera» interviewte van Doorn. Jene Fragen und Antworten stellte er auf Englisch übersetzt auch bereits ins Internet, offenbar weil ihn seine neuen, muslimischen Anhänger darum gebeten hatten.

Sein Weg in die islamophobe Politik habe ihn letztlich transformiert, so wie aus Saulus einst Paulus geworden war, sagt van Doorn. Im Schlepptau Geert Wilders wurde er in den Gemeinderat der niederländischen Stadt Den Haag gewählt. Dort sei er ins Gespräch mit einem muslimischen Ratsmitglied gekommen, der ihn schliesslich in die Den Haager «As-Sunnah»-Moschee einlud.

Es gibt keinen Gott ausser Allah

Nach einer «ernsthaften Auseinandersetzung» mit dem Islam, über mehr als ein Jahr hinweg, habe er sich zum rechten Glauben bekehrt, schrieb van Doorn. Das islamische Glaubensbekenntnis veröffentlichte er am 27. Februar auf Twitter, in Arabisch: «Es gibt keinen Gott ausser Allah, und Muhammed ist sein Diener und Gesandter».

Das Jahr ernsthafter Auseinandersetzung war politisch kein gutes Jahr für van Doorn. Im Dezember 2011 war er aus Wilders‘ Partei, der PVV, ausgeschlossen worden, weil er Fremden Zugang zu vertraulichen Dokumenten der Stadtverwaltung gewährt und weiche Drogen an Minderjährige abgegeben haben soll.

«Wahrhaftige und ernstgemeint»

Auf die sich laufend wiederholenden Nachfragen muslimischer Twitter-Follower reagiert der neue Muslim locker: «Nee. Ik meene dat ernst.» [Nein, ich meine das ernst.]

Man darf gespannt sein, wer der nächste Islamophobe ist, der die Seiten wechselt.

Quelle: Die Welt, Vom Islamhasser zum gläubigen Muslim, 06.03.2013.

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