Bern, 05.05.2010

(qi) Wenn es ein Lokalpolitiker ohne Profil, ohne besondere Vorgeschichte in die nationalen Schlagzeigen und darüber hinaus noch in die Ticker der internationalen Nachrichtenagenturen schafft, dann hat er kaum für die Abschaffung der Abfallsackgebühren in seiner Gemeinde votiert. René Kunz, 67, Sachbearbeiter und Kantonalpräsident der Aargauer Schweizer Demokraten landete mit seinem Vorstoss für ein Burka-Verbot am Dienstag nach nicht allzu atemberaubender Polit-Karriere endlich den ersehnten Volltreffer. Der Grosse Rat folgte seinem Ansinnen, den muslimischen Gesichtsschleier auf dem Weg der Standesinitiative verbieten zu lassen. Schliesslich, so Kunz, lebten wir nicht im Mittelalter.

Von seinem unverhofften Erfolg beflügelt, setzte der Schweizer Demokrat heute gleich noch einmal an. Während sich mittlerweile auch die SVP mit dem Kompromiss um das Ganzkörperbadekleid „Burkini“ für muslimische Mädchen, die den gemischt-geschlechtlichen Schwimmunterricht besuchen, zufrieden geben kann, wittert Kunz dahinter «eine politische und aggressive Ideologie» sowie einen «offenbaren Missbrauch der Religionsfreiheit». Es habe ausserdem «mit dem islamischen Glauben absolut nichts zu tun», so der selbsternannte Islamexperte. Dieser Logik nach ist auch die Bademode durch das «Gesellschaftssystem» a priori und fix vordefiniert. Danach müssten sich auch Muslime richten.

Quelle: Nach dem Burka-Nein: Kommt nun auch das Burkini-Verbot?, in: A-Z.ch, 05.05.2010.

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