Bern, 22.09.2011

Haxhi_Blancho_IZRS_BernHaxhi Zylfi Merxha, einer der bekanntesten Politiker aus Kosovo besuchte vergangene Woche den Islamischen Zentralrat Schweiz (IZRS) und gratulierte dessen Präsidenten Nicolas Blancho für seinen Mut zur Organisation eines Tages gegen Islamophobie und Rassismus. Der Diplomat und «Friedensbotschafter» der Republik Kosovo weilt zurzeit in Bern und appelliert an die rund 35‘000 in der Schweiz lebenden Roma und allen Kosovaren, am Anlass vom kommenden 29.Oktober auf dem Bundesplatz in Bern teilzunehmen.

hap.- Es gibt wenige Poliker, die das von sich behaupten können: Der frühere Uno-Generalsekretär Kofi Annan zu Besuch im Garten beim Tee, der frühere UNMIK-Chef und spätere Aussenminister Frankreichs, Bernard Kouchner oder der frühere deutsche Aussenminister Joschka Fischer zum Kaffee im bescheidenen Innenhof seines Hauses im Roma-Viertel Terze Mahalle in Prizren (Kosovo). Und die Liste der bekannten Namen ist noch viel länger, doch der 78-jährige Haxhi Zylfi Merxha (*1 siehe Fussnote) spricht selten darüber, es ist einfach bekannt und mit vielen Fotografien in seinem Büro belegt. Merxha ist nicht nur bei den Albanern in Kosovo bekannt, sondern bei allen Ethnien der jungen Republik und bei allen Kosovaren in der westeuropäischen Diaspora.

Der Präsident der Vereinigten Roma-Partei Kosovo PREBK, Haxhi Zylfi Merxha, – der neben Romanes auch türkisch, bosnisch und albanisch und italienisch spricht – ist zurzeit zu Besuch in Bern und besuchte dabei das Büro des IZRS. Er sicherte IZRS-Präsident Nicolas Blancho die Unterstützung der Roma und der Kosovaren in der Schweiz zu. «Roma und Albaner wissen schon seit Jahrhunderten, was Rassismus und Ausgrenzung bedeutet», sagte Merxha. Die Roma in ganz Europa werden trotz der von der EU ausgerufenen «Decade of Roma Inclusion, 2005-2015» noch heute täglich diskriminiert, verfolgt und von einem Land ins andere abgeschoben, wie jüngste Beispiele aus Frankreich, Italien aber auch Deutschland zeigten. Und die Albaner hätten die ethnischen Säuberungen von den Neunzigerjahren auf dem Balkan und die systematischen Kündigungen von Arbeitern und die Vertreibung aus Fabriken unter Slobodan Milosevic noch in frischer Erinnerung.

Merxha spricht ungern über die nationalsozialistische Vernichtungspolitik an den Roma aus den Dreissigerjahren. Dennoch spricht er auch jene Formen der Ausgrenzung und Entrechtung durch den NS-Staat an, die dem systematisch organisierten Völkermord vorausgingen. Bis heute ist kaum bekannt, in welch vielfältiger Weise Sinti und Roma nach 1933 der nationalsozialistischen «Rassenpolitik» ausgesetzt waren, bevor die Deportationszüge in die Todeslager fuhren. «Während der Völkermord an den Juden schnellstens anerkannt wurde, dauerte es bis 1982, bis Deutschland den Völkermord an die ‚Zigeuner‘ anerkannte. Der Antiziganismus sei im kollektiven Bewusstsein der Mehrheitsgesellschaft verwurzelt», betont der Muslim Merxha, darum sei es wichtig, dass der IZRS sich nicht nur gegen Islamophobie wehre, sondern gegen Rassismus im Allgemeinen. Die SVP-Plakate in der Schweiz würden davon zeugen, dass man offenbar nichts daraus gelernt habe. Merxha nimmt kein Blatt vor dem Mund. Er sagt dies auch jedem neuen Kommandanten der Nato-Schutztruppe Kfor, der bei ihm seine Aufwartung macht.

*1).Der Präsident der Vereinigten Roma-Partei Kosovo PREBK war drei Amtsperioden Abgeordneter im Parlament von Kosovo und davon eine Amtsperiode Vize-Präsident des Parlaments. Er ist in Kosovo einer der angesehensten Politiker des Landes. Als Integrationsfigur gilt er als unbestechlich und er gehörte zu den ersten, die die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben haben. Auch wenn er jetzt pensioniert ist, vermittelt er noch heute im Namen der Regierung bei Schwierigkeiten oder Konflikten zwischen den verschiedenen Ethnien. Der ehemalige Präsident der Gruppe «7+» (Minderheiten: Roma, Ashkali und Ägypter, Torbeschen, Goraner, Bosniaken und Türken) ist oft der einzige Politiker, der mit seinen Forderungen den Menschen aller Ethnien aus dem Herzen spricht.

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