Bern, 02.06.2010

(ni) Nun äussern sich auch die Vertreter der Schweizer Tourismusbranche zu einem allfälligen Niqab-Verbot. Sie befürchten im Falle eines Verbotes wirtschaftliche Konsequenzen und dass die Schweiz ihren Ruf als weltoffenes und tolerantes Land endgültig verlieren könnte.

Patrizia Pulfer, Medienbeauftragte von Interlaken Tourismus sagt: «Der Tourismus ist in der Schweiz die drittgrösste Industrie. Diese würde unter einem Burka-Verbot leiden. Arbeitsplätze wären folglich in Gefahr.».
Frau Pulfer meinte weiter, dass die Diskussion um ein mögliches Niqab-Verbot auch in den Golfstaaten mit Besorgnis wahrgenommen werde. Es seien bereits mehrere Anfragen bei Hotels eingegangen, ob ein Gesichtsschleier getragen werden könne.

Muslime als wichtige Einnahmequelle

Besonders Interlaken ist unter muslimischen Gästen beliebt. Seit 2003 sind die Logiernächte von Gästen aus den Golfstaaten um das Zehnfache angestiegen. Diese Touristen sind grundsätzlich gut betucht und logieren meist in Fünf-Sterne-Hotels und geben im Schnitt 500 Franken pro Tag und Kopf aus. Daher kommentiert Interlaken Tourismus die Lancierung eines solchen Verbotes als «unverantwortliche Politik des Populismus und als ein bewusstes Spiel mit Vorurteilen».

Auch Zürich fürchtet um seinen Ruf

Auch Tourismus Zürich stellt sich gegen ein Verbot des islamischen Gesichtsschleiers. Die Stadt Zürich erwirtschaftet allein im Tourismus jährlich einen Umsatz von 3,6 Milliarden Franken. Damit verbunden sind 35000 Arbeitsplätze welche bei der Annahme eines solche Verbotes zum Teil in Gefahr wären. Somit ist auch Zürich auf die Touristen – vor allem aus der Golfregion – angewiesen. Zürich verzeichnete in den letzten fünf Jahren für Touristen aus den Golfstaaten eine Verdoppelung der Logiernächte auf über 70000 Übernachtungen. «2009 hatte Zürich einen Zuwachs von 15 Prozent, während die Schweiz im selben Jahr eine Abnahme von sieben Prozent zu verzeichnen hatte», sagt Maurus Lauber von Tourismus Zürich. Reiseentscheidungen würden meist emotional gefällt. Davon habe die Schweiz mit ihrem Ruf als tolerantes Land in der Vergangenheit profitieren können, denn, so Lauber, in einigen Ländern seien arabische Gäste seit dem 11. September nicht mehr sonderlich willkommen gewesen. «Kommt das Burka-Verbot, würde die Schweiz ihr Image einer toleranten, gastfreundlichen Reisedestination verlieren. Auch Gäste aus anderen Religionen fühlen sich nicht mehr willkommen».

Privileg für Touristinnen?

Tourismus Interlaken kündigt an, ein allfälliges Verbot anzufechten und relativiert sogleich wieder: «Wir stünden jedoch ganz sicher hinter einer Sonderregelung für Touristen.» Damit meint Frau Pulfer wohl ein Privielg für Touristinnen, den Schleier zu tragen, wohingegen es Einheimischen, zumal auch Schweizerbürgerinnen verboten wäre. Ein staatsrechtlicher Konflikt um die Gleichheit vor dem Gesetz wäre vorprogrammiert.

Quelle: Tourismusbranche: Burka-Verbot vernichtet Arbeitsplätze, in a-z.ch News, 02.06.2010.

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