Nicolas Blancho heute Abend in der Arena

Heute Abend sendet das Schweizer Fernsehen SRF wie fast jeden Freitag die politische Talk-Show «Arena». Dass dort über allerlei Inhalte diskutiert und gestritten wird, ist Teil des Programms. Eher selten kommt es vor, dass über den Islam geredet wird, noch seltener dass Muslime unter sich debattieren. Heute soll es dazu kommen, was offenbar für rote Köpfe sorgt.

(qi) Dazu hat sich die Redaktion für einmal etwas ganz spezielles Ausgedacht. Anstatt wie in der Vergangenheit Politiker über den Islam diskutieren zu lassen, lädt sie vier muslimische Exponenten in die Sendung – alle mit unterschiedlichem Hintergrund. Dies passt nicht jedem. Auf Twitter versuchen gewisse Kreise einen regelrechten Sturm im Wasserglas zu erzeugen. Vordergründig echauffieren sie sich über die Einladung des IZRS-Präsidenten Nicolas Blancho. Jener sei nicht diskursfähig, zu radikal seine Ansichten. Moderator Jonas Projer sieht sich genötigt, auf den sozialen Medien seine Auswahl zu begründen. Man habe das ganze muslimische Spektrum von «liberal» bis «konservativ» abdecken wollen. Doch eine Beruhigung scheint nicht in Sicht. Ein Bieler Journalist findet gar, das SRF soll doch gleich einen Terroristen aus Brüssel einfliegen.

Schaut man sich die Twitter-Stürmer genauer an, fällt bei vielen von ihnen auf, dass ihre intolerante, teils auch islamophobe Haltung der behaupteten Radikalität Blanchos in nichts nachsteht. Warum also dieses demonstrative Empören gegen Blanchos Einladung in eine Diskussionssendung über den Islam?

Kann es sein, dass man sich vor der Möglichkeit einer echten Diskussion mit den Muslimen fürchtet? Liest man die Tweets im Vorfeld der Sendung, deutet viel darauf hin, dass sich eine lautstarke Minderheit einer rationalen Betrachtungsweise des gesellschaftlichen Spannungsfelds, in dem sich der Islam-Diskurs seit Jahren abspielt, zu widersetzen versucht, in dem sie den Verantwortlichen des SRF versucht Gesprächsverweigerung als die einzig gültige Maxime im Umgang mit ungemütlichen Meinungen anzubefehlen.

Wie die Arena heute Abend auch immer ausgeht: Die Meinungen jener Sturm-Twitterer punkto Blancho sind gemacht und daran werden auch noch so rationale Argumente nichts ändern. Ihre Forderung an die Redaktion ist glasklar: Wenn schon Blancho, dann auf der Anklagebank. Wie damals im Mai 2010 soll er einem Katalog inquisitorischer Fragen ausgesetzt werden, um dem Publikum quasi den Beweis zu liefern, dass er ein radikaler Vertreter des an sich radikalen Islams sei. Damit würde sich der Kreis wieder schliessen und die Twitter Gemeinde könnte aufatmen: alles beim Alten!

Doch welch ein Horrorszenario, sollte es den vier anwesenden Muslimen gelingen, dieses Trauerspiel in einem noch nie dagewesenen Akt der Einheit abzuwenden! Anstatt sich gegenseitig wie einst römische Gladiatoren in der Arena auf Leben und Tod zu bekämpfen, verkehren die vier Muslime die intendierte Logik des Spiels und signalisieren Geschlossenheit, kämpfen gemeinsam gegen Stereotypen und nennen die Probleme der muslimischen Gemeinschaft mit der wachsenden Islamophobie beim Namen.

Sicher ist derweil nur soviel: Eine Diskussion, die bereits vor der Diskussion für Wirbel sorgt, verspricht eine sichere Portion an Spannung. Also nicht verpassen: Heute Abend Arena auf SF1 um 22.25 Uhr

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