Bern, 20.05.2011

Sofia_Moschee_20052011(qi) In Bulgariens Hauptstadt Sofia attackierten heute Nachmittag Anhänger und Mitglieder der ultra-nationalistischen Partei «Ataka» betende Muslime vor der zentralen Banya BashiMoschee. Dabei kam es zu wüsten Szenen, mehreren Verletzten sowie zu zwei Festnahmen. Bei den beiden Festgenommenen handelt es sich um Parteimitglieder.

Parteipräsident droht der Regierung

Die für ihre extreme Fremdenfeindlichkeit bekannte «Ataka» ist mit 21 Abgeordneten im nationalen Parlement vertreten und damit die viertstärkste Fraktion. Premieminister Boiko Borissovs rechtsgerichtete Zentrumspartei ist auf die Unterstützung der «Ataka» angewiesen. Deren Parteipräsident, Volen Siderov, droht derweil lautstark mit dem Entzug seiner Regierungsunterstützung, sollten die beiden festgenommen Parteimitglieder nicht unverzüglich wieder freigelassen werden. Siderov kündigte unlängst an, dass er im kommenden Herbst 2011 für die Präsidentenwahlen zu kandidieren beabsichtige.

Bulagriens Regierung verurteilte den Angriff scharf. Präsient Georgi Parvanov nannte den Angriff einen Versuch, den ethnischen Frieden zu sabotieren und verglich Siderov mit dem nationalsozialistischen Propagandaminister Joseph Goebbels.

Schwerster Zwischenfall der Nachkriegszeit

In Bulgarien spricht man von den schwersten Übergriffen auf eine ethnische Minderheit seit  der Nachkriegszeit. Der Vorfall hat nicht nur in Regierungskreisen für Beschämen gesorgt. Auch auf Facebook fanden sich bis am Abend unter dem Veranstaltungstitel „A Flower for a Free Bulgaria“ Hunderte Bürger, die sich für den Übergriff schämen und morgen Samstag Blumen vor der Banya BashiMoschee niederlegen möchten.

Sofia-Echo Online, Injuries, arrests as Ataka, Muslims clash outside Sofia mosque, 20.05.2011.

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