Der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) trauert um Gründungs- und Vorstandsmitglied Nora Illi. Sie ist infolge ihrer langjährigen Krankheit am Montagabend im Kreise ihrer Familie im Alter von 35 Jahren zu ihrem Schöpfer zurückgekehrt.

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Kommuniqué 24032020 – 0171

«Und Wir werden euch ganz gewiss mit ein wenig Furcht und Hunger und Mangel an Besitz, Menschenleben und Früchten prüfen. Doch verkünde den Geduldigen eine frohe Botschaft, die wenn sie ein Unglück trifft, sagen: ‹Wir gehören Allah und zu Ihm kehren wir zurück›.»
[HQ, 2; 154-156]

Nora Illi war massgeblich, wenngleich zunächst im Hintergrund, an der Gründung des IZRS beteiligt. Anfang April 2010 übernahm sie das neugeschaffene Departement für Frauenangelegenheiten, dem sie mit viel sozialer Kompetenz und einem hohen Mass an Selbstverantwortung bis zu ihrem Hinschied vorsass. Einem breiteren Publikum wurde sie durch ihre selbstbewussten Auftritte in zahlreichen Talk-Shows & Reportagen bekannt. Nach ihrer Konversion zum Islam 2003 war ihr das im öffentlichen Diskurs bemühte und durch die eigene Wahl des Niqâbs auch oft erfahrene Narrativ der unterdrückten Muslimin genauso fremd, wie die Auffassung, eine orthodox-religiöse Lebensweise lasse sich nicht mit einem mondänen Dasein in der europäischen Gesellschaft vereinbaren. Als gläubige Muslimin, perfekte Ehefrau, liebevolle Mutter sowie engagierte Aktivistin lebte sie ihre Überzeugungen selbst unter den Bedingungen ihres seit 2012 aggressiv auftretenden Brustkrebs einer breiteren Öffentlichkeit vor.

Bis zuletzt gab Nora Illi ihrer Krankheit wenig Raum. Sie akzeptierte ihr Schicksal als eine göttliche Bestimmung und setzte ihren Lebensweg unbeirrt fort. Wider ärztlichen Rat begab sie sich wiederholt unter dem Einfluss teils starker Chemotherapien in Talk-Shows, um den Niqâb als «normative Option» zu verteidigen. Wer sie kannte, weiss Bescheid über ihre starke, zielstrebige Persönlichkeit – eine Eigenschaft, die dem IZRS-Team und allen, die sie kannten über ihren Tod hinaus in bester Erinnerung bleiben wird. Nora Illi hinterlässt eine Lücke, die wir mit unseren Erinnerungen und Gedanken füllen, aber niemals schliessen werden können.

Mehr noch hinterlässt sie als junge Mutter ihre sechs Kinder und ihren Ehemann. Das Begräbnis nach islamischem Ritus findet auf dem Berner Bremgarten Friedhof statt. Aufgrund er Einschränkungen infolge der Covid-19 Krise dürfen nur geladene Gäste an der physischen Beisetzung teilnehmen. Der IZRS wird die Abschiedszeremonie jedoch live übertragen. Informationen folgen via Social Media sowie über die Webseite des Rats. Kondolenzbekundungen werden derweil gerne auf ihrem persönlichen Facebook entgegengenommen.

Nora Illis ausdrücklicher Wunsch war es, dass sich Muslime Zeit für Bittgebete (istighfâr) zu ihren Gunsten nehmen.

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