In sieben von 20 Döner Proben wurde Schweinefleisch nachgewiesen
In sieben von 20 Döner Proben wurde Schweinefleisch nachgewiesen

Letzte Woche war es erst ein Verdacht. Nun steht es fest: Sieben von 20 Schweizer Döner-Proben wurden positiv auf Schweinefleisch getestet, obwohl alle Kebab-Verkäufer versicherten, dass ihre Produkte «halal» seien.

Kommuniqué 25022013-0067

Der Islamische Zentralrat Schweiz (IZRS) liess vergangene Woche 20 Döner-Kebabs in der ganzen Schweiz auf eine mögliche Beimischung von Schweinefleisch testen. Grund für den Test waren Meldungen aus Deutschland, wonach in mehreren Städten Schwein im Döner-Fleisch gefunden worden war. Untersucht wurde das Döner-Fleisch gut frequentierter Buden in Bern, Biel, Zürich, Winterthur, Basel, Luzern, Kreuzlingen, Lausanne und Genf.

Die Resultate dieser Untersuchung durch das Berner Labor Biosmart liegen nun vor. In sieben von 20 Dönern konnte Schweinefleisch nachgewiesen werden. Betroffen sind Buden in Kreuzlingen, Winterthur, Biel, Bern, Luzern und Genf.

Problem liegt bei der Verarbeitung

Die Analyse der Proben hat mit <0.1% einen sehr geringen Anteil an Schweinefleisch ergeben. Daraus schliesst der Islamische Zentralrat, dass es sich hierbei kaum um böswillige und wissentliche Beimischung von Schweinefleisch handelt, sondern vielmehr um Mängel bei der Verarbeitung. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kamen bei der Verarbeitung des Döner-Fleischs die gleichen Instrumente zum Einsatz, die vorgängig schon zur Verarbeitung von Schweinefleisch genutzt worden sind.

Um Halal-Standards z.B. der OIC (in der Schweiz bisher nicht verlässlich zertifizierbar) zu genügen, muss ein Fleischverarbeitungsbetrieb aber ganz auf die Verarbeitung von Schweinefleisch verzichten oder zumindest den Produktionszyklus für Schweinefleisch hermetisch von der Verarbeitung aller anderen Fleischsorten trennen.

In keinem Fall darf Schweinefleisch in noch so geringen Mengen in Endprodukten auftauchen, die als «halal» markiert werden sollen.

Islamischer Zentralrat über Ausmass schockiert

Dass nicht überall, wo «halal» draufsteht, auch «halal» drin ist, nahm der Rat schon seit einiger Zeit an. So lassen sich Produkte nicht alleine durch die Tatsache, dass sie frei von Schweinefleisch sind, als «halal» beschreiben. Auch Puten- oder Rindfleischprodukte sind nicht per se «halal», sondern müssen im Verarbeitungsprozess analog zum jüdischen Schächten, einer rituellen Schlachtmethode unterzogen worden sein.

Dass nun jedoch in sieben von 20 Döner-Kebabs Schweinefleisch nachweisbar ist, übertrifft alle Befürchtungen und schockiert die Mitarbeitenden des Islamischen Zentralrates. Präsident Nicolas Blancho sagte dazu: «Das ist schlicht eine Schweinerei. Unsere Mitarbeiterinnen hatten bei der Sammlung der Proben jeweils nachgefragt und in allen Fällen wurde versichert, dass das Döner-Fleisch halal sei.»

Lancierung eines Schweizer Halal-Standards stockt

Der Islamische Zentralrat evaluiert seit Ende 2011 die Möglichkeit, ein Schweizer Halal-Label zu lancieren. Dazu wurde er u.a. auch im Oktober 2012 bei der Schweizerischen Normenvereinigung  (SNV) vorstellig. Zurzeit wird jedoch der IZRS-Vorstoss auf der nationalen Ebene durch eine übergeordnete Normen-Debatte beim Europäischen Komitee für Normung (CEN) blockiert. Allerdings konnten jene Beteiligten bisher keinen Konsens in der Standardisierung einer Halal-Norm erzielen. Damit sind dem Islamischen Zentralrat bis Abschluss der CEN-Debatte die Hände gebunden. Temporäre Ausweichmöglichkeiten werden derzeit geprüft.

Resultate als PDF: PB-IZRS-250213.PDF

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