Bern, 08.10.2010

(ni) Im Kanton Fribourg dürfen muslimische Schülerinnen auch weiterhin mit dem islamischen Hijab am Schulunterricht teilnehmen. Der Grosse Rat hat den Vorstoss, welcher ein «Kopftuchverbot» an Schulen forderte, nach einer üblich emotionalen Debatte deutlich abgelehnt.

In der Motion, welche von der SP-Grossrätin Erika Schnyder lanciert wurde, ging es explizit um den Hijab. Der Gesichtsschleier sei an den freiburischen Schulen bereits verboten.

Vorurteilsbehaftete Argumentation

In ihrem Plädoyer sagte Schnyder, dass der Staat zwar die Glaubensfreiheit garantieren müsse, allerdings nicht zu jedem Preis. Vorallem dann nicht, wenn es um die Diskriminierung der Frau gehe, fügte sie an. Ein «Kopftuch» gehöre nicht in die Schule.

Dass der islamische Hijab bei Musliminnen kaum unter der Kategorie der «Frauenunterdrückung» wahrgenommen wird, zeigte vergangenen Monat der Fall einer 15-jährigen Schülerin in Bad Ragaz (Enisa darf den Hijab tragen). Sie setzte sich gegen Vater, Lehrerschaft und Schulbehörden erfolgreich gegen ein aus ihrer Sicht diskriminierendes Hijab-Verbot zur Wehr.

Die Fribourger Motion wurde vor allem aus den Reihen der SVP unterstützt. Doch im Grossen Rat hatte der Vorstoss keine Chance. Er wurde deutlich mit 70 zu 24 Stimmen und zwei Enthaltungen abgelehnt.

Quelle: NZZ, Freiburger Kantonsparlament gegen Kopftuchverbot an Schulen, 07.10.2010

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