Bern, 28.09.2010

airfood_halal(ni) Der Airline-Caterer Gate Gourmet erwägt Halal-Menüs als Standardessen anzubieten. Normale Menüs könnten auch weiterhin bestellt werden.

Die Schweizer Firma ist der grösste unabhängige Airline-Caterer, welcher unter anderen American Airlines, British Airways, Air Berlin und die Swiss zu seinen Kunden zählen kann. «Wenn wir nach Halal-Standards produzieren, können wir Produktionsabläufe vereinfachen und Kosten senken», sagte Gate-Gourmet-CEO Guy Dubois. Damit folgt er anderen Grossunternehmen, welche mit Halal-Produkten ihre muslimische Kundschaft ansprechen wollen.

 

Immer mehr Firmen nehmen Halal-Produkte in ihr Sortiment auf

Erst vor kurzem stellte die Fast-Food Kette Quick in Frankreich ihre Produktion auf geschächtetes Fleisch um. In der Schweiz sorgte die Lebensmittelkette Coop für Schlagzeilen als, sie überlegte Halal-Fleisch ins Sortiment einzuführen. Konkurrentin Migros macht gar Werbung mit ihrem Statement, dass sie viele „Halal-Lebensmittel“ in ihrem Angebot führe.

Nun soll im Flughafen Heathrow in London die erste auf Halal-Mahlzeiten ausgerichtete Küche eröffnet werden.Guz Dubois ist überzeugt, dass weiter Flughäfen folgen werden. Er plant langfristig und sagt: «Heute ist Halal-Essen noch die Ausnahme. Aber ich sehe eine Zeit kommen, in der das Schweinskotelett zur Ausnahme wird.»

Einige wehren sich noch gegen die neue Entwicklung. So muss bei der Swiss Halal-Essen auch weiterhin speziell bestellt werden. «Keiner  unserer Kunden in der Schweiz hat Halal-Essen als Standard-Menü beantragt», bestätigt Gate-Gourmet-Sprecher John Bronson.

Die alte Abneigung gegen das Schächten

Der Geschäftsleiter der Stiftung für das Tier im Recht, Gieri Bollinger, ist entsetzt: «Es ist unglaublich, dass Gate Gourmet aus finanziellen Gründen das Schächten von Tieren unterstützt.» Für ihn ist das Schächten* eine Tierquälerei. Dabei lässt er ausser Acht, dass ein Schächttier bis zu seiner Schlachtung nach islamischem oder jüdischem Ritus nichts von seinem Todesurteil weiss, im Vergleich zu den in Massen gehaltenen Tieren in den Schlachtfabriken.

Tatsächlich ist das Schächten in der Schweiz immer noch verboten. Das Schächt-Verbot, ein Relikt aus dem späten 19. Jh., gilt als manifester Höhepunkt der antisemitischen Agitation in der jüngeren Geschichte der Eidgenossenschaft. Die Behauptung, wonach Schächten dem Tier grössere Leiden zufüge als der Bolzenschuss oder der Elektroschock, sind in der medizinischen Forschung bis heute heftig umstritten. Es konnte jedenfalls nie zweifelsfrei nachgewisen werden.

*Schächten: Aus dem Hebräischen [schachat]. So nennt man die religiös vorgeschriebene Schlachmethode der Juden und neuerdings auch Muslime. Dabei wird dem Schlachttier mit einem scharfen Messer in einem Zug die Halsschlagadern sowie die Nervenstränge bis zur Wirbelsäule durchgeschnitten. Die Blutleere im Kopf sorgt für sofortige Bewusstlosigkeit des Tiers.

Quellen: 20 Minuten, Muslimisches Essen bald Standart?, 28.09.2010, 20 Minuten, Coop verkauft geschächtetes Fleisch, 28.08.2009 und Historisches Lexikon der Schweiz, Schächtverbot

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