IZRS Präsident Nicolas Blancho legt selbst Hand an
IZRS Präsident Nicolas Blancho legt selbst Hand an

Aufgeschreckt durch die sieben positiv auf Schweinefleisch getesteten Döner-Buden, suchte der IZRS das Gespräch mit den wichtigsten Produzenten in der Schweiz. Das Resultat ist für die Konsumenten ernüchternd.

(qi) Anfang Woche gab der Islamische Zentralrat die Resultate der schweizweit durchgeführten Döner-Tests bekannt. Die muslimischen Konsumenten reagierten bestürzt auf den Befund des Berner Labors Biosmart: Sieben von 20 Döner-Proben wurden positiv auf Schweinefleischanteile von bis zu 0.1% getestet. Dies obwohl alle 20 Buden gegenüber ihren Konsumenten versprachen «halal» zu sein.

In der Folge suchten unsere Mitarbeiter mit den Betroffenen das Gespräch. Dies gestaltete sich nicht einfach. In einem Fall mussten sogar üble Beschimpfungen eingesteckt werden. In der Schweiz komme es nicht auf «halal» an. Wichtig sei nur die Lebensmittelhygiene, «halal»-Tests seien «nicht normal», wetterte der Verkäufer beim Winterthurer Zermatt Kebab. Darauf angesprochen, weshalb er denn seine Ware auf Anfrage als «halal» verkaufe, rastete der Betroffene aus und verwies die Mitarbeiter aus seinem Lokal.

Andere Buden zeigten sich schockiert und versprachen der Sache «nachgehen» zu wollen. Die meisten Betroffenen fühlten sich von ihren Lieferanten hintergangen. Jene hätten ihnen mehrfach bestätigt, dass das Fleisch «halal» sei.

Ursache liegt bei Lieferanten

Fünf der positiv getesteten Buden gaben an, ihr Fleisch von Royal Döner, dem grössten Schweizer Döner Produzenten zu beziehen. Darauf angesprochen, reagierte die Firma freundlich und räumte dem IZRS-Präsidenten unverzüglich einen Termin ein. Im Gespräch gestand Geschäftsführer Demir Zeynel allerdings ein, dass seine Döner nicht «halal» seien. Dies sei aufgrund der beschränkten Import-Kontingente in der Schweiz gar nicht möglich. Er selbst esse zwar gerne privat auch mal ein Stück Schweinefleisch, hege aber im Betrieb den Anspruch, seine Döner schweinefrei zu produzieren. Diesen Anspruch gelte es in Zukunft umzusetzen. Da Royal Döner sein Fleisch von den Schweizer Firmen Bell, Micarna, Gattiker und Bigler bezieht, dürfte ihm dies allerdings schwer fallen.
Unsere weiteren Abklärungen ergaben, dass keiner der vier Zulieferer über eine Halal-Produktionsstufe verfügt.

Royal-Döner steht nicht alleine da. Auch Efal in Adliswil gesteht ein, dass seine Kebas nicht «halal» seien. Er bezieht sein Fleisch ebenfalls von der Firma Gattiker.

Efal zeigte uns eine von Gattiker selbstständig ausgestellte Bestätigung, wonach die Firma von einem Hinwiler Schlachthof Halal-Ware beziehen würde. Eine Aussprache mit Gattiker scheiterte bisher. Man ist offensichtlich nicht an einem Treffen interessiert.
Eine positiv getestete Döner-Bude gab an, ihre Ware von Merve Dönerproduktion AG in Hendschiken zu beziehen. Die Firma Merve hegt auch den Anspruch, keine Erzeugnisse von Schweinen zu verarbeiten, wie man auf der Webseite unter «Unsere Prinzipien» nachlesen kann:

«Desshalb finden sich un unseren Produkten auf keinen Fall irgendwelche künstliche oder bedenkliche Inhaltsstoffe. Ausserdem sind Erzeugnisse vom Schwein (Fette, Pulver, etc.), die den islamischen und türkischen Essgewohnheiten entgegenstehen in unseren Produktionsbetrieb tabu und werden absolut nicht verarbeitet.»

Telefonisch durch unsere Mitarbeiter kontaktiert, reagierte die Firma sehr skeptisch. Zuerst wollte man gar keine Auskünfte erteilen, gab dann aber nach und lud zu einer Aussprache am Geschäftssitz ein. Dort gestand man ein, dass die Erzeugnisse nur teilweise «halal» seien. Ein anerkanntes Zertifikat konnte auf Anfrage nicht vorgewiesen werden. Noch einmal auf diesen Sachverhalt angesprochen krebste der Produktionsleiter weiter zurück und gab nun an, dass ein Grossteil seiner Ware nicht «halal» sei. Zudem gibt es auch hier keine Trennung der Produktionszyklen von «halal» und nicht-halal. Merve weigerte sich vehement, seine Fleischlieferanten preiszugeben. Von allen Döner-Produzenten gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Merve deutlich am schwierigsten.

Kein Halal-Döner in der Schweiz?

Damit steht heute fest: Döner-Produkte sind in der Schweiz prinzipiell nicht «halal». Obwohl alle Produzenten angaben, kein Schweinefleisch zu verarbeiten, lässt sich dies auch in Zukunft kaum verhindern, weil die Zulieferanten jener Döner-Produzenten in ihren Betrieben neben Rindern und Schafen in allen Fällen auch Schweine verarbeiten und damit niemals als «halal» eingestuft werden können. Gesetzlich allerdings liegen unbeabsichtigte Beimischungen in Kleinstmengen, wie in unseren Tests nachgewiesen, im Bereich der Toleranz.
Muslimische Konsumenten müssen sich in jedem Fall auf folgende Situation einstellen:

-Kleinstmengen an unabsichtlich durch ungetrennte Produktionszyklen beigemischtem Schweinefleisch kann in jedem Döner vorkommen und ist gemäss geltendem Gesetz zulässig.

-Selbst dann, wenn (durch Zufall) kein Schweinefleisch in einem Döner nachweisbar ist, wurde das Fleisch in keinem der untersuchten Fälle nach den islamischen Schlachtvorschriften verarbeitet. Von «halal» kann also in KEINEM Fall die Rede sein.

Ausnahmen möglich, jedoch noch nicht nachprüfbar

Es besteht die Möglichkeit, dass einzelne Buden ihre Döner-Spiesse entweder aus dem Ausland oder von einem kleineren, explizit islamisch schlachtenden Metzger beziehen. Über jene Produkte kann der IZRS bis dato keine vernünftige Aussage machen, weil eine verbindliche «halal»-Norm in der Schweiz weiterhin nicht existiert.

Der Islamische Zentralrat hat die Notwenigkeit einer solchen Norm jedoch erkannt. Er prüft derzeit die Möglichkeit, ein durch regelmässige Qualitätskontrollen schweizweit anerkanntes Halal-Label zu begründen.

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