Bern, 24.10.2012

Von Abdel Azziz Qaasim Illi

eid_adha_26102012Als am 15. Oktober nach dem Maghreb-Gebet (entspricht dem 30. Dhul Qada’a) eine erste Mondsichtung des Dar al Ifta‘ in Riyad fehlschlug, war klar, dass der erste Dhul Hijja 1433 erst in der Nacht vom 16. zum 17. Oktober 2012 beginnen wird. Anders als beim Fastenbrechen-Fest nach dem Ramadan kommt dem saudischen Dar al Ifta‘ bei der Bestimmung des Dhul Hijjas aus praktischen Gründen eine gewisse Führungsrolle zu. Die gesamte arabische Welt, der Iran, Indonesien und Pakistan, sie alle richten sich einheitlich nach den saudischen Vorgaben, weil jene auch mit dem jeweils gültigen Hajj-Kalender korrelieren. Entsprechend feiern dieses Jahr fast alle Muslime das Opferfest am Freitag, 26. Oktober 2012.

Einzig die türkische Religionsbehörde Diyanet und vereinzelte Muftis auf dem Balkan, namentlich in Mazedonien, stehen abseits und feiern das Opferfest bereits am kommenden Donnerstag. Über die tieferen Motive dieser ostentativen Andersartigkeit lässt sich nur spekulieren. Die türkische Diyanet gibt offiziell an, dass es ihnen um die frühzeitige Berechenbarkeit der Festtage gehe. Ähnliche Motive liessen die verantwortlichen Stellen in Mazedonien und Kosovo verlauten. Dabei schienen sich die Führungskader der Islamische Gemeinschaft Kosovos keineswegs einig zu sein. Erst am Montag förderte eine untypische und überraschende Kehrtwende das hohe Mass an innerer Uneinigkeit zutage. Islamische Universalisten haben sich im letzten Moment noch gegen traditionale Partikularisten durchgesetzt und eine Angleichung der nationalen Festdaten an die der islamischen Weltgemeinschaft erreicht. Damit feiert nun auch der Kosovo am 26. Oktober und nicht wie bisher festgelegt am 25. das Opferfest.

Uneinigkeit stiftet Verwirrung

Seit Anfang Woche wandten sich bereits Duzende Muslime an den Islamischen Zentralrat mit der Bitte, über die nun gültigen Festdaten Aufklärung zu liefern. Viele sind verunsichert, es mischt sich aber auch Wut und Unverständnis in die Stimmen, was unter den gegebenen Bedingungen nachvollziehbar ist. Immer wieder wird die Frage gestellt, warum die Muslime sich nicht einmal auf das Datum ihres höchsten Feiertags zu einigen vermögen.

Ohne eine Antwort darauf zu kennen, arbeitet der Islamische Zentralrat an Lösungen, den Geist des kleinlichen Partikularismus zu Gunsten grösstmöglicher Einheit und Zusammengehörigkeit unter Muslimen zu überwinden. Ein wichtiger Schritt in dieser Richtung ist die zunehmende Abkopplung der islamischen Gemeinschaften von kulturell-ethnischen Bindungen. Muslime, die sich in Europa dauerhaft niederlassen, sollten aufhören, religiöse Sinnsuche in ihren ehemaligen Heimatländern zu betreiben und vielmehr den Fokus auf die hiesige Realität ausrichten. Der Islamische Zentralrat wünscht sich für die Schweiz eine Vereinheitlichung des islamischen Festkalenders für die nahe Zukunft. Ein Durchbruch auf der Ebene des Festkalenders brächte nicht nur praktische Vorteile im Verkehr mit Behörden und Arbeitgebern, sondern könnte auch jene Plattform schaffen, auf deren Basis Muslime auch in anderen Bereichen stärker zusammenarbeiten könnten.

–> Aktuelle Liste (2012) der Gebetszeiten- und Orte für die Schweiz [PDF]

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