30.05.2010
Bern, 30.05.2010
(qi) Das weltoffene Genf sieht der Diskussion um den islamischen Gesichtsschleier besorgt entgegen. Hotels und Behörden fürchten die wirtschaftlichen Folgen eines möglichen Verbotes sowie einen weiteren Image Schaden für die Schweiz. Ausgerechnet in jenem Kanton, wo Schätzungen nach am meisten Frauen den Niqab tragen, kann man der aktuellen Debatte am wenigsten abgewinnen. Dabei müsste man meinen, sollten hier am meisten Probleme mit dem in der Deutschschweiz heftig angefeindeten Kleidungsstück auftreten. Doch ein Polizeisprecher winkt im Gespräch mit der NZZ am Sonntag ab: Der Niqab sei «weder ein Thema noch ein Problem».
In Genfer Hotels, wie dem Kempinski, logieren jeden Sommer Duzende gutbetuchte Frauen aus der Golfregion in besagter Kleidung. «Wir tun alles, damit sich unsere Gäste wohlfühlen», sagt Nicole Boghossian vom Kempinski.
Die Genfer Behörden betonen, dass man sich bei einem Ausländeranteil von gegen 50% gewohnt sei, mit Menschen aus anderen Ländern zusammenzuleben. Und bei Personen aus dem Arabischen Golf sei der Gesichtsschleier nun mal Sitte, so Nicolas Merckling von der Staatskanzlei. Genf gehörte neben der Waadt, Neuenburg und Basel-Stadt zu den vier Kantonen, die der Minarett-Initiative übrigens deutlich mit 59.7% die Zustimmung versagt hatten.
Quelle: Bei den Genfern käme ein Burkaverbot schlecht an, in: NZZ am Sonntag, 30.5.2010.

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